Gott, allein zu Haus
Alceste, mon amour. Alceste, mio amore. Alkeste, meine Liebe. In welcher Sprache sie auch besungen wird: Wer an diese Frau denkt, muss unweigerlich ans «Fidelio»-Ende denken. Wer ein holdes Weib errungen, stimme in den Jubel ein. Bei Alkestis, der Königin, wie sie bei Euripides erscheint, ist es allerdings eher eine nach innen gewendete Freude, ein Sich-Verneigen vor dem, was sie tut. Alkestis geht in den Tod, um ein anderes Leben zu retten: das ihres Gatten Admetos. Der Fall ist singulär. Und er ist diametral zu sehen zur Causa Medea.
Medea, von ihrem Gatten verraten und betrogen, bringt ihre Kinder um. Alkestis bringt sich um, vor den Augen ihrer Kinder.
Ein mythischer Stoff mithin, der an- und aufregt, der Affekte, Assoziationen und Allusionen freilegt. Und in der Tat haben unzählige Dichter, Dramatiker und Komponisten sich der Geschichte angenommen. Wie viele es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts allein in Frankreich waren, das erhellte der Vortrag von Herbert Schneider im Rahmen des dreitägigen Symposiums, das, wie schon vor drei Jahren, die Internationalen Gluck-Opern-Festspiele im Staatstheater Nürnberg flankierte, diesmal unter dem Thema «Gluck auf dem Theater». ...
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Rossini-Opern, hat man ihre Funktionsweise erst einmal durchschaut, machen glücklich. Die großen dramatischen Konfrontationen laufen wie Schneeballschlachten ab: Die Kontrahenten schleudern sich in wachsender Erregung Koloraturen-Salven ins Gesicht. Lyrische Gefühle klettern hingegen auf langen Koloraturen-Treppen gen Himmel und wieder hinab. Dramatik setzt sich...
Wenn in einer Großfamilie die Mutter stirbt und die älteste Tochter sich aufopferungsvoll um die jungen Geschwister kümmert, kommt heute mit viel Glück die Einrichtungsexpertin aus dem Fernsehen vorbei und bereitet der Familie ein «Zuhause im Glück». In Goethes Briefroman «Die Leiden des jungen Werther» kommt eben ein Dichter vorbei – und das Zuhause im Glück wird...
Luca Ronconi will mit seiner neuen, ziemlich glatten Inszenierung von Puccinis «Il trittico» offenbar unauffällig an die Tradition anknüpfen. Zugleich zeigt er Haltung – mit realitätsnaher Ironie und einem gehörigen Schuss Zynismus. Puccini war schließlich kein Mann von rechtschaffener Biederkeit. Der beißende Humor des «Gianni Schicchi» hat viel mit dem Minenfeld...
