Glück und Mühen der Ebene
Hier oben hat er einen großartigen Blick über Düsseldorf. Von der neu gestalteten Terrasse im sechsten Stock des Opernhauses schaut man über Dächer und Kirchen – unten pulsiert das Leben, oben fegt der Wind. Tobias Richter steht hier oben aber nur ungern, er ist ein Mann des Inneren, des unmerklichen Machens und Lenkens, er ist der Anti-Typ des schneidigen, im feinen Zwirn repräsentierenden Kulturmanagers. Das sieht man stets auf fast rührende Weise, wenn er bei Premieren vor den Vorhang tritt und eine halskranke Sängerin ansagen muss.
Dann zieht er sein blaues, etwas ältliches Dienst-Sakko an, und dieses Sakko sagt unabweisbar: Dieser Mann arbeitet hier, er kommt nicht im Smoking, er trennt sich nicht von der Produktion der Kunst und tritt noch weniger auf die Seite der Genießer. Tobias Richter, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (DOR), ist in den 13 Jahren seiner Amtszeit ein Prinzipal geblieben, der dem Glamour misstraute. Wie er überhaupt im Rheinland nie so ganz heimisch geworden ist.
Als er 1996 aus Bremen kam, glaubte er, irgendwo zwischen den beiden Arbeitsstätten Düsseldorf und Duisburg wohnen zu müssen – und zog in den blassen Vorort Ratingen. «Das war eine ...
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Nie, für mich war dieser Weg immer selbstverständlich. Das hat sicher damit zu tun, dass ich schon als Kind aufgetreten bin – ich war immer Solist. Ein Freund meiner Eltern brachte mich zu einem...
Der Berliner Komponist Christian Jost beschreibt seine Musik – nicht nur seine Bühnenmusik – gern als «Reise». Die Metapher ist mittlerweile reichlich abgegriffen. Jede zweite Performance wird heute als «Expedition» zu irgendetwas ausgegeben. Bei Jost hat der Begriff jedoch nichts Modisches. Sein Werk ist eine über nahezu zwei Jahrzehnte hin erstaunlich konsequente...
