Glück, das uns verbleibt

Zweimal «Tote Stadt»: In Mailand entwirft Graham Vick eine Traumlandschaft mit obsessiven Schreckensbildern, Alan Gilbert zähmt das Überbordende der Korngold’schen Partitur; in Bremen seziert Armin Petras das Stück bis zur Unkenntlichkeit, Yoel Gamzou entdeckt darin die Moderne

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Es könnte Zufall sein. Es könnte aber auch sein, dass Erich Wolfgang Korngolds (Alb)-Traumoper «Die tote Stadt» nach beinahe 100 Jahren Einsamkeit wieder vermehrt auf den Spielplänen zu finden ist, weil sie sich gewissermaßen a posteriori dem kühl-flüchtigen Rationalismus der Postpostmoderne mit flackernd surrealer Magie widersetzt. Und weil sie uns in jene Sphäre des Unzugänglichen, Vagen, Süffigen lockt, nach der sich das (im Westen) hyperaufgeklärte, digital formatierte und streng fortschrittsgläubige 21.

Jahrhundert vermutlich gerade deshalb sehnt, weil es diese Sphäre wohl auf immer verlassen hat, die Fülle verspricht, Sinnlichkeit, unverstellte Sehnsucht – und eine Prise Anarchie. Sich auf den Traum einzulassen, so hat es der Philosoph Christoph Türcke einmal bestechend hellsichtig formuliert, «heißt in den Untergrund gehen, jeglichen festen Halt preisgeben, den das Establishment eingeschliffener Sitten und Gewohnheiten, Wahrheiten, Wahrnehmungs- und Denkformen zu bieten pflegt, und abtauchen in jene Vorzeit, jene disparate, diffuse halluzinatorische Empfindungs- und Bilderwelt, aus der menschliche Kultur sich einst mühsam erhoben hat».

Korngolds «Tote Stadt» bietet uns ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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