Getragen von Wind und Wellen
Zwei weiße Brücken verbinden die Stralsunder Neustadt mit ihrem historischen Stadtkern. Vom Bahnhofsviertel führen sie direkt durch das ehemalige Stadttor von 1446. Rotschimmernde Dächer setzen sich von Weitem gegen den blaugrauen Sommerhimmel ab. Der Turm der Marienkirche spiegelt sich etwas verzerrt in der Wasseroberfläche des Knieperteiches, der fast den gesamten Stadtkern umschließt wie ein schützender Ring. Es ist dieser malerische Blick, in den sich Aurelia Eggers auf Anhieb verliebt hat. «Das war mein allererster Eindruck von der Stadt, als ich mich vorgestellt habe.
Es war strahlender Sonnenschein, und ich habe mir sofort gedacht: Ist das toll hier! Und dieses Gefühl habe ich seitdem jedes Mal, wenn ich über die Brücke gehe.»
Seit dieser Spielzeit ist Aurelia Eggers neue Operndirektorin am Theater Vorpommern, das mit seinen drei Standorten in Stralsund, Greifswald und Putbus eine ganze Region entlang der Ostseeküste mit Kultur versorgt. Als freischaffende Regisseurin hat Eggers im deutschsprachigen In- und Ausland Häuser aller Größen kennengelernt. Was sie an der kleinen Opernsparte in Stralsund besonders schätzt? Die Flexibilität. «Große Häuser sind oft starre Schiffe, ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Reportage, Seite 80
von Anna Schors
Sucht man nach den sogenannten Schlüsselwerken aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die das Denken über die Gattung wie das Hören selbst nachhaltig verändert haben, kommt man an Bernd Alois Zimmermanns Oper «Die Soldaten» nicht vorbei. Ein megalomanes, mammutgleiches, fast mystisches Stück, maßlos in vielerlei Hinsicht, steht es in der...
Am 5. Oktober 1763, auf den Tag genau ein Jahr nach Glucks Reformoper «Orfeo ed Euridice», hatte Tommaso Traettas «Ifigenia in Tauride» in Wien Premiere – allerdings nicht im Burgtheater, sondern in Schloss Schönbrunn. Traetta war unter den Italienern neben dem seit 1754 als Hofkapellmeister in Stuttgart wirkenden Niccolò Jommelli noch vor Gluck der Erste, der...
Eigentlich hätte dieser Bericht mit einer Rüge der St. Galler Stadtbehörden beginnen müssen: Aus Sorge um das UNESCO-Welterbe dürfen die Festspiele nämlich nur noch in den ungeraden Jahren im historischen Klosterhof stattfinden. Das klingt ähnlich abwegig, wie wenn der berühmte Salzburger «Jedermann» jeden zweiten Sommer vom Domplatz ins Festspielhaus verbannt...
