Gestochen scharf

Mozarts Oratorium «Betulia liberata» in einer Neuaufnahme mit Christophe Rousset

Opernwelt - Logo

Mozart schrieb sein einziges Oratorium «Betulia liberata» im Frühsommer 1771 zwischen der ersten und zweiten Italienreise. Der Auftrag kam aus Padua, dort wurde das Werk aber nie aufgeführt. Das über 50 Mal, zuletzt 1821 von Antonio Salieri vertonte Libretto der für die Karwoche bestimmten «Azione sacra» stammt von Metastasio.

Der vielfach in Literatur, Malerei und Musik behandelte alttestamentarische Stoff beruht auf dem apokryphen «Buch Judith»: Die schöne Witwe rettet ihre Heimatstadt Betulien, indem sie unbewaffnet ins Lager der Assyrer geht, deren General Holofernes umgarnt und ihn anschließend mit seinem eigenen Schwert tötet.

In Metastasios handlungslosem Libretto, das sich formal kaum von einer Oper unterscheidet, herrscht allerdings statt Aktion Statik, statt Emotion moralische und religiöse Reflexion. An Händels biblische Oratorien und ihre chorische Dramatik darf man nicht denken. Ein rezitativischer Disput zwischen Ozia und dem assyrischen Überläufer Achior über den wahren Gott dauert bleierne sechs Minuten, und selbst Judiths langatmiger Bericht ihrer Tat über ausgehaltenen Accompagnato-Streicherakkorden bleibt blass.

Mozart, dem es in seinen zur selben Zeit für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Liebesfreud und -leid

Bei der Lektüre von Patrick Grahls klugem Booklet-Beitrag zum vorliegenden Liedalbum könnte man auch an Moritz von Schwinds berühmte Zeichnung «Ein Schubert-Abend bei Josef von Spaun» denken: Franz Schubert am Klavier, links neben ihm der Hofopernbariton Johann Michael Vogl, um sie gedrängt die Freunde. Grahl geht es freilich um Mendelssohn; er bezieht sich im...

Impressum März 2021

62. Jahrgang, Nr 3
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752342

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55

Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion@opernwelt.de

...

Phasenweise bereichernd

Corona stellt insbesondere musikstudierende Personen vor große Herausforderungen. Ich bin Dirigierstudent im vierten Semester Bachelor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden und Komponist. Vor allem das Dirigierstudium ist von den Einschränkungen betroffen, da eine Abhängigkeit von einem großflächigen Kontakt mit Menschen durch das Orchester...