Geschwisterliebe
Sie waren füreinander geschaffen – als Schwester und Bruder, in platonischer Zuneigung verbunden, nie jedoch als Traumpaar à la Sieglinde und Siegmund. Fanny und Felix Mendelssohn bildeten zeitlebens ein nicht nur munter-vergnügtes, sondern darüber hinaus auch innig miteinander verbandeltes Geschwistergespann. Und glaubt man den brieflichen Äußerungen, die zwischen ihnen hin und her wogten, darf man annehmen, dass Fanny ihrem Felix seine staunenswert-steile Karriere nicht eine Sekunde lang neidete.
Gründe dazu hätte sie anführen können; vor allem die Tatsache, dass Vater Abraham Mendelssohn entschieden hatte, eine musikalische Hochbegabung in der Familie müsse wohl genügen – die von Felix.
Musikwissenschaftler streiten seither im Konjunktiv miteinander: Was wäre gewesen, hätte Fanny sich wie ihr Bruder frei «entwickeln» dürfen? Wäre sie auch zu solchen Höhenflügen aufgebrochen, wie sie Felix schon in seinem frühen Oktett und den Jugendsymphonien unternahm? Und hätte sie solche Stücke wie die «Hebriden-Ouvertüre» (von der Johannes Brahms einmal sagte, er würde für dieses Wunderwerk sein gesamtes Œuvre opfern), den «Elias» und den «Paulus» sowie die A-Dur-Symphonie (die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 44
von Jürgen Otten
Sie sang die Norma, die Lucia, die Nedda, dazu Susanna, Frau Fluth, Rosina und Tosca und viele große Rollen mehr. Sie galt als die vielleicht erfolgreichste Koloratursopranistin ihrer Zeit: Irene Abendroth. Selbst Grantler Eduard Hanslick lobte ihre sängerischen Fähigkeiten. Am 14. Juli 2022 jährte sich Abendroths Geburt zum 150. Mal. Und am 1. September 2022 ist...
Die berühmten Arkaden der Felsenreitschule sind verschwunden. «Ihr sucht die Bühne?», fragt die Sprecherin des (sonst meist gestrichenen) Prologs. «Wo ist sie aufgeschlagen? In dir? In mir?» In den Wassern des Unbewussten wohl am ehesten liegt «Herzog Blaubarts Burg» bei Romeo Castellucci, nachdem der schwere schwarze Vorhang zur Eröffnungspremiere der Salzburger...
Der Premierentitel und das ganze Drumherum dieses vierstündigen Spektakels passten zu den Ambitionen der neuen Intendanz in Kassel und ebenfalls zur heißdisktutierten documenta – mit einem kleinen Unterschied: Das politische Porzellan blieb diesmal heil. Mit «Temple of Appropriated Histories», einer interdisziplinären Bühneninszenierung des Projekts «Temple of...
