In Wagners Welt
Der Premierentitel und das ganze Drumherum dieses vierstündigen Spektakels passten zu den Ambitionen der neuen Intendanz in Kassel und ebenfalls zur heißdisktutierten documenta – mit einem kleinen Unterschied: Das politische Porzellan blieb diesmal heil. Mit «Temple of Appropriated Histories», einer interdisziplinären Bühneninszenierung des Projekts «Temple of Alternative Histories», geht eine international zusammengesetzte, spartenübergreifende Truppe im Grunde auf Wagners «Ring», seine Quellen und zugleich auf den Kontext von Entstehung und Rezeption los.
Das Gesamtkunstwerk wird zerlegt, hinterfragt, aufgewirbelt, mal besinnlich von der Seite betrachtet, mal angerempelt, mal veralbert und nur manchmal ernst genommen. Passagenweise dient die Tetralogie als Spielwiese für scheinbar Spontanes, dann wieder wird sie als Theater ironisiert und ad absurdum geführt. Kassels Erster Kapellmeister Mario Hartmuth und das Staatsorchester sind mit Begeisterung (und einigen eigenen Arrangements) dabei. Regie führt der Isländer Thorleifur Örn Arnarsson; er hat auch die Textfassung erstellt. Mit ihrem singenden, tanzenden und sprechenden Personal können sich alle Beteiligten hier auf einem ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Joachim Lange
Die Lieder Gabriel Faurés haben es, wie die französische Liedkunst insgesamt, außerhalb Frankreichs seit jeher schwer – mit Ausnahme Englands, wo zuletzt, geschart um die beiden Pianisten Graham Johnson und Malcolm Martineau, mit einer Vielzahl von Sängerinnen und Sängern auch die beiden noch immer lieferbaren Gesamtaufnahmen entstanden. Die neue Einspielung durch...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Als meine Frau Stella Doufexis den Octavian im «Rosenkavalier» von Richard Strauss in der fast schon legendären Inszenierung von Andreas Homoki an der Komischen Oper Berlin gesungen hat. Jedes Mal habe ich geweint, wenn sie sang: « ... und weiß von nichts als nur: Dich hab’ ich lieb.» Dies war und ist auch das einzige...
Herr Pappano, die neue Spielzeit der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom startet am 18. Oktober mit «Elektra». Es ist Ihre letzte Spielzeit als Musikalischer Direktor der Accademia. Warum haben Sie gerade diese Strauss-Oper für die Spielzeiteröffnung ausgesucht?
Ich hätte die «Elektra» an Covent Garden dirigieren sollen, aber wir mussten sie aufgrund der...
