In Wagners Welt
Der Premierentitel und das ganze Drumherum dieses vierstündigen Spektakels passten zu den Ambitionen der neuen Intendanz in Kassel und ebenfalls zur heißdisktutierten documenta – mit einem kleinen Unterschied: Das politische Porzellan blieb diesmal heil. Mit «Temple of Appropriated Histories», einer interdisziplinären Bühneninszenierung des Projekts «Temple of Alternative Histories», geht eine international zusammengesetzte, spartenübergreifende Truppe im Grunde auf Wagners «Ring», seine Quellen und zugleich auf den Kontext von Entstehung und Rezeption los.
Das Gesamtkunstwerk wird zerlegt, hinterfragt, aufgewirbelt, mal besinnlich von der Seite betrachtet, mal angerempelt, mal veralbert und nur manchmal ernst genommen. Passagenweise dient die Tetralogie als Spielwiese für scheinbar Spontanes, dann wieder wird sie als Theater ironisiert und ad absurdum geführt. Kassels Erster Kapellmeister Mario Hartmuth und das Staatsorchester sind mit Begeisterung (und einigen eigenen Arrangements) dabei. Regie führt der Isländer Thorleifur Örn Arnarsson; er hat auch die Textfassung erstellt. Mit ihrem singenden, tanzenden und sprechenden Personal können sich alle Beteiligten hier auf einem ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Joachim Lange
Frau von der Damerau, zunächst Ortrud, dann Brünnhilde, bald Ariadne – fühlen Sie sich stimmlich endlich im dramatischen Fach angekommen?
Nein. Ich plane eher virtuos. Deshalb habe ich auch nicht das Gefühl, dass ich irgendwo angekommen bin. Man kann in diesem Beruf nicht allein über seine Entwicklung bestimmen, man muss auch mit den richtigen Partien besetzt...
Sie waren füreinander geschaffen – als Schwester und Bruder, in platonischer Zuneigung verbunden, nie jedoch als Traumpaar à la Sieglinde und Siegmund. Fanny und Felix Mendelssohn bildeten zeitlebens ein nicht nur munter-vergnügtes, sondern darüber hinaus auch innig miteinander verbandeltes Geschwistergespann. Und glaubt man den brieflichen Äußerungen, die zwischen...
Gefiel nicht», ist auf dem Theaterzettel der Mannheimer Erstaufführung von Mozarts «Così fan tutte» vom 12. Mai 1793 vermerkt. Mozarts gewagteste Oper wurde von den Zeitgenossen in moralische Sippenhaft genommen für ein frivoles Libretto, bei dem, so Paolo Mezzacapo de Cenzo, «nichts durch die Blume, sondern alles durchs Geschlecht gesagt» ist. Selbst als die...
