Geschlossene Gesellschaft
Eigentlich hätte dieser Bericht mit einer Rüge der St. Galler Stadtbehörden beginnen müssen: Aus Sorge um das UNESCO-Welterbe dürfen die Festspiele nämlich nur noch in den ungeraden Jahren im historischen Klosterhof stattfinden. Das klingt ähnlich abwegig, wie wenn der berühmte Salzburger «Jedermann» jeden zweiten Sommer vom Domplatz ins Festspielhaus verbannt würde.
Nun ist es mit Opern-Open-Airs so eine Sache. Schnell hat sich gezeigt, dass der Umzug ins Theater durchaus seine guten Seiten hat.
Bei der Hitzewelle Ende Juni hätten die 35 Grad die Klostermauern ganz schön aufgeheizt. Und draußen wird jeweils verstärkt gesungen. Kurz und gut: Drinnen war es angenehmer. Vor allem aber entging die Regie der Gefahr, Assoziationen an die Veroneser «Aida» (und damit an ein Massenspektakel) zu wecken. Denn genau das (ein bombastisches Spektakel) ist Verdis drittletzte Oper ja gerade nicht. Im Gegenteil – gerade dort, wo die Triumph-Trompeten schmettern, wird bei genauerem Hinhören Verdis scharfe Kritik an solchem Pathos deutlich. Regisseur Ben Baur ergreift die Chance und zeigt eine «Aida» wie aus einem Guss, schlüssig und voller Denkanstöße. Einige Einfälle überraschen: Im Finale II gibt ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Magazin, Seite 90
von Peter König
War Operette nicht schon immer ein bisschen B-Movie? In ihren besten Fällen hat sie auf diese Weise so manches A-Movie-Musiktheater ganz unkorrekt überholt. Ob das auch für Alexander R. Schweiß’ (Musik) und Lena Reißners (Text) «B-Movie-Pulp-Operette» mit dem Titel «The Bat Bomb!» gilt, muss noch offenbleiben. Der link zum unbestrittenen Meisterwerk der Gattung ist...
Strawinskys einzige abendfüllende Oper mit dem furchterregenden Untertitel «Werdegang eines Wüstlings» basiert auf der gleichnamigen Bilderserie von William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert. Deren unerhörter Erfolg mag gerade auch durch die Abwesenheit von höheren Mächten begründet sein. Zwei maßvoll fromme englische Librettisten hatten dann anscheinend riesiges...
Es ist gefühlt schon eine Ewigkeit her. Damals, im März 2020, als der erste Lockdown bundesweit nahezu einheitlich das gesamte Kulturleben lahmlegte, wurde plötzlich klar, wie vulnerabel ein Betrieb ist, der davon lebt, dass Menschen auf engem Raum miteinander und füreinander spielen. Und je höher die Infektionszahlen stiegen, desto größer wurde die Angst, dass...
