Geschichte und Fiktion
Der erste Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten in China – Richard Nixon reiste 1972 zu Mao Tse-tung – war so bedeutend wie die Mondlandung drei Jahre zuvor. Der Regisseur Marco Štorman nimmt diese These am Stuttgarter Opernhaus als Anregung für seine Inszenierung. Er lässt Nixon gleich zu Beginn auf die Bühne heruntersteigen, als komme er aus der Mondfähre, und eine golden eingefärbte amerikanische Flagge in den Boden rammen; später wird er das Sakko gegen einen Raumanzug eintauschen.
Zum Glück verzichtet Štorman darauf, diesen Einfall bis in die letzten Bühnenwinkel durchzudeklinieren. Stattdessen rückt er die Entwicklung der historischen Figuren und die Medialität des Ereignisses bildgewaltig (Bühne: Frauke Löffel) in den Vordergrund. «Im Dunkeln sind alle Diplomaten grau», sagt Mao Tse-tung; tatsächlich spielen Farben eine wichtige Rolle. Zunächst grauer Nebel. Nixon trägt schwarz, Mao weiß, seine Anhänger stecken in silbergrauen Overalls (Kostüme: Sara Schwartz). Im ersten Akt errichten sie aus mehr als 500 Kacheln den mosaikartigen Hintergrund.
Den zweiten Akt und mit ihm die Binnenvorstellung «Das rote Frauenbataillon» verlegt Štorman zwischen Mond und Felsen; Fakt ...
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