Geheimes Zentrum
Neben Aribert Reimann hat sich kein deutscher Komponist so konsequent mit dem Klavierlied auseinandergesetzt wie Wolfgang Rihm. Erste Versuche sind von dem 13-Jährigen überliefert. Mit «Abendwolken» auf einen Text von Ludwig Uhland (unaufgeführt und unveröffentlicht, aber wohl archiviert) betrat der Karlsruher einen Kontinent, der ihm ein halbes Jahrhundert später immer noch ausreichend weiße Flecken zur Erkundung bereitzuhalten scheint, bemisst man seine Produktivität in dieser Gattung.
Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Herausgeber des Bandes «Etwas Neues entsteht im Ineinander» über Wolfgang Rihms Liedvertonungen (Rombach-Verlag 2012), hält diese gar für «das geheime Zentrum seines Schaffens».
Der Musik-Goethe unserer Tage, einschüchternd des Tons und des Worts mächtig, dabei von unerschütterlicher Freundlichkeit, hat mit der Wahl der Texte für seine Lieder von Beginn an besondere Herausforderungen gesucht: nämlich in der literarischen Komplexität und semantischen Aufgeladenheit, die Autoren wie Heiner Müller, Paul Celan, Petrarca, Hölderlin, Nietzsche, aber auch Schiller und Goethe bereithalten. Sein Verständnis des Wort-Ton-Verhältnisses skizziert Rihm selbst so: «Text und Musik ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 43
von Götz Thieme
In «Idomeneo», seiner vielleicht radikalsten, jedenfalls vor innovativer Musik geradezu berstenden Oper, zeigt Mozart das Psychodrama eines traumatisierten Kriegsheimkehrers und träumt zugleich eine Aufklärungsutopie. Auf der Rückfahrt vom trojanischen Krieg gerät Idomeneo in einen Sturm und gelobt Neptun, denjenigen zu opfern, der ihm als Erster nach der...
Auf dem Cours Mirabeau und den anderen platanenumsäumten Boulevards flaniert sich’s wie immer, aber an Brennpunkten des öffentlichen Lebens wird die Veränderung doch merklich. Die liberté aus der Wunschparole der großen Revolution wird von der sécurité angefressen, und wo, bitte schön, ist die fraternité geblieben? Egalité wird an den Festspieleingängen...
An frischer Luft den Atem leicht zu heben. Ob in den sogenannten «Schanigärten» (nach dem alten Wiener Dienernamen Jean), die alljährlich zur Sommerzeit aus den Gehsteigen vor Wiens Restaurants wachsen wie Pilze nach dem Regen. Ob in den diversen Freiluftbühnen um Wien, wobei die Gast- und die Kunststätten einander kulinarisch durchaus verwandt sind. Man muss das...
