Geheime Leidenschaften

Christophe Roussets eindrucksvolles Plädoyer für Spontinis «La Vestale»

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Ganz Berlin witzelte über die vielen Posaunen und über den großen Elefanten in den Prachtaufzügen dieser Oper […]. Die Enthusiasten aber riefen: ‹Hosianna! Spontini ist selbst ein musikalischer Elefant! Er ist ein Posaunenengel!›» Mit diesen Worten zeichnete Heinrich Heine 1822 anlässlich einer Aufführung von Spontinis «Olympie» das (bis heute nicht vollends verblasste) Bild eines Komponisten der materiellen Überwältigung.

Berlioz, der wohl größte Spontini-Enthusiast (vor allem dessen «Vestale» hob er in den Himmel) wünschte sich wohl auch jenes, den Raum zum Erzittern bringende «puissant orchestre» für die als epochal neu empfundenen Werke des Staatskomponisten. Aber er hatte auch ein Ohr für die sensiblen kammermusikalischen Strukturen, für die «sprechenden» Soloinstrumente, für das geheime Vibrieren der intimen Leidenschaften als Kehrseite der heroischen Affekte. So schreibt er nicht lange über die große Szene exuberanter Leidenschaften der unmittelbar vor dem tödlichen Sakrileg stehenden Vestalin im zweiten Akt, sondern über deren instrumentalen piano-Schluss, in dem sich die Motive des Aufbegehrens gegen die «gnadenlosen Götter» und der Ergebung ins Liebesschicksal in der ...

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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Klaus Heinrich Kohrs

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