Geheime Leidenschaften
Ganz Berlin witzelte über die vielen Posaunen und über den großen Elefanten in den Prachtaufzügen dieser Oper […]. Die Enthusiasten aber riefen: ‹Hosianna! Spontini ist selbst ein musikalischer Elefant! Er ist ein Posaunenengel!›» Mit diesen Worten zeichnete Heinrich Heine 1822 anlässlich einer Aufführung von Spontinis «Olympie» das (bis heute nicht vollends verblasste) Bild eines Komponisten der materiellen Überwältigung.
Berlioz, der wohl größte Spontini-Enthusiast (vor allem dessen «Vestale» hob er in den Himmel) wünschte sich wohl auch jenes, den Raum zum Erzittern bringende «puissant orchestre» für die als epochal neu empfundenen Werke des Staatskomponisten. Aber er hatte auch ein Ohr für die sensiblen kammermusikalischen Strukturen, für die «sprechenden» Soloinstrumente, für das geheime Vibrieren der intimen Leidenschaften als Kehrseite der heroischen Affekte. So schreibt er nicht lange über die große Szene exuberanter Leidenschaften der unmittelbar vor dem tödlichen Sakrileg stehenden Vestalin im zweiten Akt, sondern über deren instrumentalen piano-Schluss, in dem sich die Motive des Aufbegehrens gegen die «gnadenlosen Götter» und der Ergebung ins Liebesschicksal in der ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Klaus Heinrich Kohrs
Kein Zweifel ist möglich: Dieser Pinkerton strahlt die Präpotenz von Macht und Geld mit jeder Pore seines Seins aus. Seine Untergebenen der Marine maßregelt er knapp jenseits der Grenze der Erniedrigung, die Kopie des über den Heiratsvermittler Goro (Yannis Kalyvas) abgegebenen Eheversprechens zerreißt er direkt nach der Unterschrift in kleine Schnipsel, Suzukis...
Manche mögen’s … nicht: das Musical. Denn dort beschreiben die Protagonisten eins zu eins ihre Gefühle: «Ich bin traurig», «Ich bin verliebt», «Ja, ich kann es schaffen, wenn ich nur dran glaube!». In dem für die Deutsche Oper Berlin von Giorgio Battistelli neu komponierten «Il Teorema di Pasolini» singt jede Person auf der Bühne immer genau das, was sie gerade tut...
Fontane-Liebhaber kennen diese Frau, ihr trauriges Schicksal. In seiner Novelle «Grete Minde» aus dem Jahr 1880 zeichnet der Schriftsteller ein vielschichtiges Porträt dieser Unglücklichen, der das Leben so viele Fallen stellt, bis sie schließlich – in einem Akt dramatisch-verzweifelter Auflehnung – eine ganze Stadt in Brand setzt. Die Geschichte der Grete Minde...
