Die Macht des Schicksals
Gott würfelt nicht. Nie. Gott folgt einem klaren, graniten verfugten Schöpfungsplan. Die Götter Griechenlands hingegen, ohnehin eine überaus bunte Versammlung apart-disparater Naturgewalten und neurotischer Temperamente, haben es damit nie so ganz genau genommen. Kam es ihnen in ihren launischen Sinn, lockten sie die Irdischen auch mal heraus aus ihrer kleinen Welt, um zu sehen, wie sie sich fern der Heimat zu helfen wüssten. Besonders schlimm traf es den Ursänger Orpheus.
Kaum hatte er seiner schönen Eurydice den Hochzeitsschleier gelüftet und ihr einen sanften Kuss auf die Lippen gehaucht, sank sie zu Boden und atmete nicht mehr. Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt und auch, welch himmlische Musik Christoph Willibald Gluck dazu erfunden hat in seiner ersten Reformoper «Orfeo ed Euridice» von 1762.
Fragt sich nur: Wie erzählt man diese Geschichte heute? Gott ist abwesend, wenn nicht tot (darüber streiten die Gelehrten noch), die Götter harren im Exil der Dinge, und die Sache mit der Liebe ist in unserer eskapistischen Gesellschaft auch nicht einfacher geworden. Daniel Slater wählt beim Grange Festival den bestmöglichen Weg. Er lässt den Dingen und Menschen (und auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Gian Carlo Menotti ist ein junger Mann, als er auf die Frage, wie er es geschafft hat, die Bürokratie zu überwinden, um in einer kleinen Stadt im grünen Herzen Italiens ein neues Festival ins Leben zu rufen, antwortet: «Glaube, Beharrlichkeit und Glück». Man schreibt das Jahr 1959, Menotti arbeitet schon seit mindestens drei Jahren an der Idee, völkerverbindende...
Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
Hier ende die vom Maestro unvollendet gelassene Oper, weil der Maestro an dieser Stelle gestorben sei. So die Worte, die Arturo Toscanini dem perplexen Publikum der Mailänder Scala am Ende der Uraufführung von Giacomo Puccinis «Turandot» zugerufen haben soll. Nach dem Opfertod der standhaften Dienerin Liù hatte der Dirigent den Taktstock niedergelegt. Er tat dies...
