Gefährliche Liebschaften

Hindemiths «Cardillac» in einer brillanten Aufnahme aus Wien

Opernwelt - Logo

Eine «sachliche» Oper? Nur zu gern würde man es glauben. Doch allein jene tieftraurige Novelle, die Hindemiths «Cardillac», der seit 100 Jahren mehr oder weniger heimatlos geblieben ist, zugrunde liegt, öffnet die Türen zu einer anderen, ganz und gar phantastischen Realität. Mag der Librettist Ferdinand Lion auch an wesentlichen Stellschrauben von E. T. A.

Hoffmanns Erzählung «Das Fräulein von Scuderi» gedreht und der (am Text stark mitwirkende) Komponist eine Klangsprache gewählt haben, die spätromantische Idiomatik nurmehr flüchtig streift, so lässt sich doch eines nicht verbergen: Heftige Leidenschaften führen hier das Kommando. Und zwar dauerhaft.

Der vorliegende Live-Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper verdeutlicht dies in wohltuender Weise. Keinen Zweifel lässt Cornelius Meister am Pult des Hausorchesters, dass er Hindemiths Dreiakter für ein nachgerade fulminantes Vermächtnis des Expressionismus hält, welches seine älteren Schwestern in den Strauss-Opern «Salome» und «Elektra» zu finden trachtet; schon das klanglich stählerne Vorspiel zum ersten Akt atmet den Geist dieser Bühnenwerke. Der Dirigent, selbst im tumultuösen Krawall der Chor -szenen ein absoluter Souverän mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Emmas Puppenheim

Die Wuppertaler Opernintendantin Rebekah Rota, seit der Spielzeit 2023/24 im Amt, will erklärtermaßen ein Drittel ihrer Premieren mit Werken von Komponistinnen bestreiten und hat nach eigenen Worten noch eine lange Liste abzuarbeiten. Zur Aufführungen kamen bislang Ethel Smyths «Der Wald» und «Angel’s Bone» von Du Yun. Nun kam mit «The Lodger» eine 1960 an der...

In zwei Zeiten

Giacomo Puccinis «Madama Butterfly» ist eine Oper der zwei Geschwindigkeiten. Das knappe Orchestervorspiel zum ersten Akt gleicht einem atemlosen Anfang des kontrapunktischen Hinterherlaufens der Einsätze, kündet mit seinem vierstimmigen Fugato von manischem Getrieben-Sein, von einer rastlosen westlichen Gesellschaft. Knapp 40 Jahre zuvor war bereits Bedřich...

Ein Kleinmeister? Von wegen!

Als Antwort auf die Frage nach dem beliebtesten Barockkomponisten nennen fast alle einschlägigen Auflistungen an erster Stelle Johann Sebastian Bach. Mit gehörigem Abstand folgen dann für gewöhnlich entweder Georg Friedrich Händel oder Antonio Vivaldi, außerhalb der Top 10 findet sich irgendwo auch der Name Georg Philipp Telemann. Christoph Graupner taucht in solch...