Gefährliche Liebschaften
Eine «sachliche» Oper? Nur zu gern würde man es glauben. Doch allein jene tieftraurige Novelle, die Hindemiths «Cardillac», der seit 100 Jahren mehr oder weniger heimatlos geblieben ist, zugrunde liegt, öffnet die Türen zu einer anderen, ganz und gar phantastischen Realität. Mag der Librettist Ferdinand Lion auch an wesentlichen Stellschrauben von E. T. A.
Hoffmanns Erzählung «Das Fräulein von Scuderi» gedreht und der (am Text stark mitwirkende) Komponist eine Klangsprache gewählt haben, die spätromantische Idiomatik nurmehr flüchtig streift, so lässt sich doch eines nicht verbergen: Heftige Leidenschaften führen hier das Kommando. Und zwar dauerhaft.
Der vorliegende Live-Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper verdeutlicht dies in wohltuender Weise. Keinen Zweifel lässt Cornelius Meister am Pult des Hausorchesters, dass er Hindemiths Dreiakter für ein nachgerade fulminantes Vermächtnis des Expressionismus hält, welches seine älteren Schwestern in den Strauss-Opern «Salome» und «Elektra» zu finden trachtet; schon das klanglich stählerne Vorspiel zum ersten Akt atmet den Geist dieser Bühnenwerke. Der Dirigent, selbst im tumultuösen Krawall der Chor -szenen ein absoluter Souverän mit ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Jürgen Otten
JUBILARE
Marisa Galvany, die am 19. Juni 90 Jahre alt wird, kam 1936 in Paterson im US-Bundesstaat New Jersey als Tochter osteuropäischer Einwanderer zur Welt und debütierte 1968 an der Seattle Opera als Tosca. Auch ihr internationales Debüt gab sie in einer Titelrolle: als Aida 1972 am Palacio de Bellas Artes in Mexico City. Von 1972 bis 1983 war sie regelmäßig in...
Vor Anker geht diese Musik nie. Sie streift und strömt, wälzt sich dahin und eilt, flüchtet von einer Harmonie zur nächsten, ergießt sich von einem Wohlklang in den anderen. Tiefe Unruhe, zermürbende Rastlosigkeit: Selten hat sich das so verführerisch angehört wie in Franz Schrekers «Das Spielwerk und die Prinzessin». «Ein Komponist taugt ohnehin kaum zum...
Es ist leicht, sich über diese Inszenierung lustig zu machen. Leider ist es auch unvermeidlich. Ideologischer Unsinn prägt seit Jahrzehnten das deutsche Theater, aber was Cottbus mit diesem frühen Verdi anbietet, übertrifft die gängigen Muster bei Weitem, insofern Irrsinn als Steigerung von Unsinn betrachtet werden kann.
Abigaille ist zweifellos die wichtigste,...
