Emmas Puppenheim
Die Wuppertaler Opernintendantin Rebekah Rota, seit der Spielzeit 2023/24 im Amt, will erklärtermaßen ein Drittel ihrer Premieren mit Werken von Komponistinnen bestreiten und hat nach eigenen Worten noch eine lange Liste abzuarbeiten. Zur Aufführungen kamen bislang Ethel Smyths «Der Wald» und «Angel’s Bone» von Du Yun.
Nun kam mit «The Lodger» eine 1960 an der Londoner Royal Academy of Music mit Studierenden uraufgeführte Oper von Phyllis Tate über Jack the Ripper heraus, erstmals in der vollständigen englischen Fassung, nachdem 2018 in Bremerhaven schon eine deutsche Version gespielt worden war. Professionelle Aufführungen in Großbritannien gab es bisher nicht.
Phyllis Tate (1911–1987), die in ihrer Heimat als bedeutende Komponistin gilt, kennt hierzulande kaum jemand. Ihre Musiksprache ist alles andere als avantgardistisch, was auch durch Tates Bekenntnis, sie würde sich «nicht dafür schämen, wenn sich das Publikum an ein paar meiner Melodien» erinnere, belegt ist. Solche Melodien gibt es auch in «The Lodger», einem im Grunde düsteren Stück, das im viktorianischen England der 1880er-Jahre im Haus von Emma und George Bunting spielt. Das Ehepaar beherbergt einen Mann mit guten ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Richard Lorber
Verdis Meisterwerk «Nabucco» könnte sehr wohl den Untertitel «Die große Utopie» tragen. Es ist ein alttestamentarisches Sujet, wenngleich die Zeitgenossen des Komponisten den Gefangenenchor der Hebräer sogleich zur Widerstandshymne gegen die habsburgische Besatzung umfunktionierten. Regisseur Christian von Götz will die Oper nun auf ihren jüdischen Kern...
Wozzecks weißes Hemd scheint frisch gewaschen. Nur der Overall, den er darüber trägt, grenzt ihn von den hier den militärischen Ton angebenden Herren, denen er zu dienen hat, ab. Naturalistisches Dekor des Prekären und der sozialen Ungleichheit aber braucht Brigitte Fassbaender im aufgeräumten Bühnenbild von Bettina Munzer mitnichten, einem zwischen Hotelhalle und...
Im Hotel Babylon ist die Hölle los. Sämtliche Todsünden geben sich hier die Klinke in die Hand, und es ist kein Wunder, dass daraus ein nachgerade faustisches Drama erwächst. Zumindest im gleichnamigen Lied-Zyklus der britischen Avantgarde-Komponistin Zoë Martlew, den diese, mit Blick auf Schönbergs «Brettl-Lieder» und im Gedenken an dessen 150. Geburtstag, für die...
