In zwei Zeiten
Giacomo Puccinis «Madama Butterfly» ist eine Oper der zwei Geschwindigkeiten. Das knappe Orchestervorspiel zum ersten Akt gleicht einem atemlosen Anfang des kontrapunktischen Hinterherlaufens der Einsätze, kündet mit seinem vierstimmigen Fugato von manischem Getrieben-Sein, von einer rastlosen westlichen Gesellschaft. Knapp 40 Jahre zuvor war bereits Bedřich Smetana derart verhetzt in eine Oper eingestiegen, sie trägt den Titel «Die verkaufte Braut».
Nur ein Zufall? Die Welt des US-amerikanischen Marineleutnants Pinkerton mit der Hartnäckigkeit dieser initialen Fluchtbewegung zu assoziieren, liegt nah. Umso krasser wirkt der gegensätzliche Zeitentwurf einer Kultur der Meditation, des Traums, der archaischen Wahrheiten. Die subjektive Suspension von Zeit eignet nicht nur Cio-Cio-Sans Singen im strömenden Melos, wie es in ihrer großen Arie «Un bel dì, vedremo» im vagen Futur des Wartens, Hoffens und Sehnens kulminiert.
Diese Dehnung von Zeit wird von Puccini noch intensiviert durch seine jede logische Klarheit verschleiernden harmonischen Mixturen, durch übermäßige und verminderte Intervalle, ein klangfarbliches Aroma, das weniger exotische Parfümierung eines imaginierten Ortes ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Peter Krause
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Wir halten unsere Zeit mit MTT in höchsten Ehren und haben viel von ihm gelernt, (…). Es war eine große Ehre, ihn am Pult zu haben. Er wird uns sehr fehlen.» Es kommt nicht oft vor, dass eine Rockband den Tod eines Dirigenten betrauert. Bei Michael Tilson Thomas hingegen ist das der Fall: «Metallica» meldete sich nach dem Tod des US-Amerikaners würdigend zu Wort....
