Ein Kleinmeister? Von wegen!

Buch des Monats: Beate Sorgs Biographie des Barockkomponisten Christoph Graupner ist ein gelungenes Plädoyer für die Könnerschaft eines vielfach Begabten

Opernwelt - Logo

Als Antwort auf die Frage nach dem beliebtesten Barockkomponisten nennen fast alle einschlägigen Auflistungen an erster Stelle Johann Sebastian Bach. Mit gehörigem Abstand folgen dann für gewöhnlich entweder Georg Friedrich Händel oder Antonio Vivaldi, außerhalb der Top 10 findet sich irgendwo auch der Name Georg Philipp Telemann. Christoph Graupner taucht in solch oberflächlichen Rankings erst gar nicht auf.

Auch er zählt zum Heer heute kaum noch bekannter (oder sogar völlig in Vergessenheit geratener) Komponisten, die in der älteren Musikgeschichtsschreibung mit einiger Nonchalance als «Kleinmeister» abgehandelt und abgewertet wurden.

Im 18. Jahrhundert war das noch anders. Bachs Berufung zum Thomaskantor in Leipzig wurde nur möglich, da sein um zwei Jahre älterer Mitbewerber Graupner, für den sich der Rat der Stadt Leipzig nach der Absage Telemanns als Nachfolger Johann Kuhnaus entschieden hatte, die Stelle nach einigem Hin und Her abgelehnt hatte. Seit 1709 wirkte Graupner, der im Januar 1683 in der siebenhügeligen sächsischen Kleinstadt Kirchberg das Licht der Welt erblickte und eine fundierte musikalische Ausbildung durch seinen Onkel, den Organisten Nicolaus Küster, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 43
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Schrecklich schön

Der Horror einer Gespenstergeschichte stellt sich meist ein, wenn das Unheimliche real wird. So auch in Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw»: Die Geister Peter Quint und Miss Jessel werden Wirklichkeit, weil sie singen. In der literarischen Vorlage von Henry James haben sie keine Stimmen, und es bleibt offen, ob sie reine Projektionen der Governess sind, die...

Viele Fragen offen

Giacomo Puccinis letzte Oper «Turandot» ist und bleibt ein Fragment – ein grandioses. Wie die Nike von Samothrake. Allein, ihr fehlt nicht der Kopf, sondern ein überzeugender Schluss, nachdem sich Liù aus Liebe zu Calaf erstochen hat. Als ob Puccini ahnte, dass keine dramaturgisch-musikalische Lösung gelänge, die ihm als Künstler und seinem Ruhm entspräche, hatte...

Das jungenhafte Gesicht der Klassik

Wir halten unsere Zeit mit MTT in höchsten Ehren und haben viel von ihm gelernt, (…). Es war eine große Ehre, ihn am Pult zu haben. Er wird uns sehr fehlen.» Es kommt nicht oft vor, dass eine Rockband den Tod eines Dirigenten betrauert. Bei Michael Tilson Thomas hingegen ist das der Fall: «Metallica» meldete sich nach dem Tod des US-Amerikaners würdigend zu Wort....