Fromme Tableaus
Venedigs neuer «Parsifal» stand zweifach im Zeichen der Trauer. Das Publikum gedachte Marcello Viottis, des kürzlich verstorbenen Musikchefs des Hauses, der die Produktion musikalisch leiten sollte. Zuvor hatten Gewerkschaftssprecher einen Appell verlesen, der die dramatischen Subventionskürzungen im Kulturbereich zum Thema hatte: Die Opernsituation Italiens sei in ernster Gefahr. Dann ging das Licht aus im wiederauferstandenen Teatro La Fenice, und das tönende Spiel um Erlösung durch Mitleid nahm seinen Lauf.
Regisseur Denis Krief hangelt sich an der Oberfläche der sparsamen Handlung entlang. Seine Aktionsfantasie ist so beschränkt wie sein Bewegungsvokabular. Im dritten Akt lässt er, etwa bei der Fußwaschung Kundrys, fromme Tableaus wie aus der Uraufführung nachstellen. Meist zeigt er auf schrägem Bretterboden Figuren in grau-sandfarbener, orientalischer Alltagskleidung. Nur die Blumenmädchen dürfen auf der «Baustelle Parsifal» leuchtende Brokatstoffe und Seide tragen. Der Gralskelch schrumpft zum leeren Wasserglas. Aber wo kein Raum ist und die Zeit lang wird, verlieren Gurnemanz’ Worte «Zum Raum wird hier die Zeit» ihren Sinn. Da nützt auch der diffuse Beitrag im ...
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