Bonn haut auf den Akustik-Putz

Beethovens Geburtshaus hat seine Bestände umfassend digitalisiert – und präsentiert einen virtuellen «Fidelio»

Einmal mehr bringt das Bonner Beethoven-Haus Neues zum «Fidelio» – jedoch nicht in editorischer, sondern überraschenderweise in szenischer Hinsicht. Zu diesem Zweck wurden die Räumlichkeiten der Gedenkstätte um das mittelalterliche Kellergewölbe des Nachbargebäudes («Im Mohren») erweitert. Dort, wo im 18. Jahrhundert die Weinflaschen von Beethovens Großvater ihrer Reife entgegenstaubten, kann sich der Anhänger des Enkels nun die Spätlese ­«Fidelio, 21. Jahrhundert» zu Gemüte führen.

Wofür er auf der «Bühne für Musikvisualisierung» zwanzig Minuten Zeit und eine 3D-Brille braucht.
Solcherart bewaffnet, verschmilzt des Besuchers Auge mit dem Geschehen auf einer silberbeschichteten Drei-mal-drei-Meter-Leinwand. Real befindet man sich im Keller, virtuell in Florestans Verlies. Die Introduktion des zweiten Aufzugs hebt an, computer-animierte Stäbe formieren sich zu Kerkermauern, schon klagt der Tenor aus siebzehn Surround-Sound-Lautsprechern und einem Subwoofer (schöne neue Begriffswelt) – doch, wo ist der dazugehörige Sänger? Sichtbar ist lediglich eine sich rhythmisch windende Spirale, optisch anzusiedeln zwischen DNA-Modell eines Biologie-Schulbuchs und Schlangen-Darstellung eines ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Magazin, Seite 26
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Cong Su: Cuba libre

Guy Montavons zweiter Kompositionsauftrag für sein neues Haus heißt ambitioniert: «Cuba libre». Das Resultat hat aber mehr mit einem abgestandenen Cocktail als mit Freiheit in der Karibik zu tun. Denn die «Neue Welt Musik», die der Filmkomponist Cong Su schreiben wollte, ist allenfalls eine beliebige Allerweltsmusik. Sie gerät nicht nur wegen der verwendeten...

Bananentheater

Wir kennen die Geschichte, aber wir kennen sie nicht in dieser Gestalt, nicht mit diesen Ausbuchtungen, nicht in dieser Konsistenz. Es ist eine andere Geschichte, die hier erzählt wird: eine Geschichte, in der die beiden anderen Geschichten, die gewöhnlich nacheinander erzählt werden, zusammenfließen wie zwei breite Ströme. Mit anderen Worten: Calixto Bieito und...

Konkrete Utopie

Vermutlich ist Bjarní Daníelsson der einzige Opernintenant der Welt, der wäh­­rend der Theaterferien ein Restaurant betreibt. Mindes­tens drei Sommerwochen hat Bjarní – in Island redet man sich grundsätzlich mit dem Vornamen an, selbst das Telefonbuch ist nach Vornamen geordnet – jedes Jahr für den Küchendienst reserviert. Und das kam so: Auf einem Segeltörn mit...