Bonn haut auf den Akustik-Putz
Einmal mehr bringt das Bonner Beethoven-Haus Neues zum «Fidelio» – jedoch nicht in editorischer, sondern überraschenderweise in szenischer Hinsicht. Zu diesem Zweck wurden die Räumlichkeiten der Gedenkstätte um das mittelalterliche Kellergewölbe des Nachbargebäudes («Im Mohren») erweitert. Dort, wo im 18. Jahrhundert die Weinflaschen von Beethovens Großvater ihrer Reife entgegenstaubten, kann sich der Anhänger des Enkels nun die Spätlese «Fidelio, 21. Jahrhundert» zu Gemüte führen.
Wofür er auf der «Bühne für Musikvisualisierung» zwanzig Minuten Zeit und eine 3D-Brille braucht.
Solcherart bewaffnet, verschmilzt des Besuchers Auge mit dem Geschehen auf einer silberbeschichteten Drei-mal-drei-Meter-Leinwand. Real befindet man sich im Keller, virtuell in Florestans Verlies. Die Introduktion des zweiten Aufzugs hebt an, computer-animierte Stäbe formieren sich zu Kerkermauern, schon klagt der Tenor aus siebzehn Surround-Sound-Lautsprechern und einem Subwoofer (schöne neue Begriffswelt) – doch, wo ist der dazugehörige Sänger? Sichtbar ist lediglich eine sich rhythmisch windende Spirale, optisch anzusiedeln zwischen DNA-Modell eines Biologie-Schulbuchs und Schlangen-Darstellung eines ...
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