Freiheit über alles lieben

William Kinderman sucht in Ludwig van Beethoven den politischen Künstler in revolutionären Zeiten zu entdecken

Es ist eine Fotografie mit hohem Symbolwert: Bonn, der Münsterplatz, 1945. Wohin das Auge schaut, Schutt und Asche. Lediglich zur Linken sieht man ein Gebäude, das von den Bomben verschont blieb. Und in der Mitte eine Statue, wie durch ein Wunder (oder durch höhere göttliche Eingebung?) unberührt, einsam, aber mächtig, in klassischem Faltenwurf.

Das Beethoven-Denkmal, 100 Jahre zuvor von Ernst Hähnel ersonnen und von Jacob Daniel Burgschmiet in Erz gegossen: als gleichsam skulpturale Verneigung vor jenem Titanen der Tonkunst, der wie kein Zweiter für das Widerständige, Revolutionäre einstand, und ebenso als ein Sinnbild der berühmten Hölderlin’schen Verse «Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch».

Für William Kinderman war (und ist) Ludwig van Beethoven vor allem «ein politischer Künstler in revolutionären Zeiten». So lautet der Untertitel seines Buchs, das weniger biografisches Kompendium sein will, als vielmehr der Versuch, das humanistisch-idealistische Narrativ in den Werken Beethovens aufzuspüren, den dahinter wohnenden Geist, die imposante Haltung. Des Komponisten Leben und, mehr noch, seine Kunst, so der amerikanische Musikologe, seien «eine Warnung vor dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Schöne alte Welt

Seltsam, diese patinierte Eleganz. Diese Zuflucht in ein behaustes «Es war einmal», in eine fragile Idylle, auf die durchaus Schatten fallen, die aber doch glänzt wie das Licht biedermeierlicher Veduten. Das beginnt mit der Aufmachung, dem Weich­zeichner-Porträt der Solistin auf dem Cover, Reminiszenz an die Foto-Medaillon-Kultur des späten 19. und frühen 20....

Geschmackvoll

Eine einzige Arie hat der Fürst Gremin in «Eugen Onegin» zu singen –  Sava Vemić beschert sie am Gärtnerplatztheater dennoch den größten Szenenapplaus des Premierenabends. Und zu Recht. Einen Bass von solch authentischer Schwärze und derart wohlgerundeter Klangfülle hat in einer an tiefen Stimmen armen Zeit nicht jedes Haus in seinem Ensemble. Wie man hier...

Alles Schwere so leicht

Das Outfit ist, nun ja, gewagt. Vor allem, wenn man bedenkt, aus welcher Zeit es stammt. Die 1950er-Jahre in Deutschland waren noch nicht unbedingt von jenem freien Geist geprägt, den die Generation danach etablieren sollte. Das Abendkleid jedoch, das die junge Frau mit dem verschmitzten Lächeln trägt, kündet von der kommenden Avantgarde: weitgeschwungen in der...