Freiheit über alles lieben
Es ist eine Fotografie mit hohem Symbolwert: Bonn, der Münsterplatz, 1945. Wohin das Auge schaut, Schutt und Asche. Lediglich zur Linken sieht man ein Gebäude, das von den Bomben verschont blieb. Und in der Mitte eine Statue, wie durch ein Wunder (oder durch höhere göttliche Eingebung?) unberührt, einsam, aber mächtig, in klassischem Faltenwurf.
Das Beethoven-Denkmal, 100 Jahre zuvor von Ernst Hähnel ersonnen und von Jacob Daniel Burgschmiet in Erz gegossen: als gleichsam skulpturale Verneigung vor jenem Titanen der Tonkunst, der wie kein Zweiter für das Widerständige, Revolutionäre einstand, und ebenso als ein Sinnbild der berühmten Hölderlin’schen Verse «Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch».
Für William Kinderman war (und ist) Ludwig van Beethoven vor allem «ein politischer Künstler in revolutionären Zeiten». So lautet der Untertitel seines Buchs, das weniger biografisches Kompendium sein will, als vielmehr der Versuch, das humanistisch-idealistische Narrativ in den Werken Beethovens aufzuspüren, den dahinter wohnenden Geist, die imposante Haltung. Des Komponisten Leben und, mehr noch, seine Kunst, so der amerikanische Musikologe, seien «eine Warnung vor dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Jürgen Otten
alpha
25./26.12. – 11.00 Uhr
Bach: Weihnachtsoartorium
Herkulessaal der Münchner Residenz, 2010
Konzert mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Peter Dijkstra.
S: Harnisch, Vondung, Schmitt, Immler
arte
04.12. – 05.00 Uhr
Jacques Offenbach in Köln
Philharmonie Köln, 2012
Konzert mit Auszügen aus...
Moskaus Kultur ist lebendig, ungeachtet der zweiten Pandemiewelle, die mit täglich wachsenden Infektionszahlen über die Stadt rollt. Gleichwohl haben sämtliche Opernhäuser auf «Notdienst» umgestellt. Beispielsweise konnten nicht alle angesetzten «Don Carlos»-Vorstellungen im Bolschoi Theater stattfinden: Askar Abdrasakov (Filippo) und Anna Netrebko (Elisabetta)...
Manisch tritt der junge Mann auf der Stelle, sieht so verhetzt aus wie Woyzeck. Auch der stand einst in den Diensten eines Hauptmanns und wurde – unschuldig schuldig geworden – zum Tode verurteilt. Doch wird sind weder bei Georg Büchner noch bei Alban Berg. An der Staatsoper Hannover steigt Barbora Horáková in Georges Bizets «Carmen» mit einer sportiv performativen...
