Kalte künstliche Welt

Gounod: Roméo et Juliette
MAGDEBURG | THEATER

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Eine schwierige Angelegenheit ist sie, die Liebe in den Zeiten von Corona. Hinter der Bühne, auf der Bühne, ach, überall, immerzu. Und dann dieses Stück, das durchtränkt ist vom Begehren, von der alles überwindenden Kraft der Zuneigung zweier junger Menschen, die ihr Herz gleich bei der ersten Begegnung an ihr Gegenüber verlieren und einander am liebsten auf der Stelle verschlingen würden, weil die Leidenschaft so riesig ist.

Romeo und Julia, Shakespeares tragisches Traumpaar, dem der gläubige Katholik Gounod in seinem Musikdrama «Roméo et Juliette» mit Klängen von himmlischer Schönheit und nachgerade religiöser Transzendenz huldigt.

Magdeburgs Intendantin Karen Stone macht sich diesen Drang nach Berührung zunutze in ihrer handwerklich sauber gearbeiteten Inszenierung. Doch gleichsam ex negativo. In jedem Augenblick, in dem Arthur Espiritu und Raffaela Lintl aufeinander zufliegen wie zwei Magneten (und das ist häufig genug der Fall), stoppt ihre Bewegung im letzten Moment. Hände und Herzen sind ausgestreckt, doch sie können zueinander nicht kommen, diese beiden «Königskinder» – nicht, weil sie nicht wollten, sondern weil sie nicht dürfen. Irgendetwas hält sie zurück. Der Glaube ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jürgen Otten

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