Kalte künstliche Welt
Eine schwierige Angelegenheit ist sie, die Liebe in den Zeiten von Corona. Hinter der Bühne, auf der Bühne, ach, überall, immerzu. Und dann dieses Stück, das durchtränkt ist vom Begehren, von der alles überwindenden Kraft der Zuneigung zweier junger Menschen, die ihr Herz gleich bei der ersten Begegnung an ihr Gegenüber verlieren und einander am liebsten auf der Stelle verschlingen würden, weil die Leidenschaft so riesig ist.
Romeo und Julia, Shakespeares tragisches Traumpaar, dem der gläubige Katholik Gounod in seinem Musikdrama «Roméo et Juliette» mit Klängen von himmlischer Schönheit und nachgerade religiöser Transzendenz huldigt.
Magdeburgs Intendantin Karen Stone macht sich diesen Drang nach Berührung zunutze in ihrer handwerklich sauber gearbeiteten Inszenierung. Doch gleichsam ex negativo. In jedem Augenblick, in dem Arthur Espiritu und Raffaela Lintl aufeinander zufliegen wie zwei Magneten (und das ist häufig genug der Fall), stoppt ihre Bewegung im letzten Moment. Hände und Herzen sind ausgestreckt, doch sie können zueinander nicht kommen, diese beiden «Königskinder» – nicht, weil sie nicht wollten, sondern weil sie nicht dürfen. Irgendetwas hält sie zurück. Der Glaube ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jürgen Otten
Zu den fatalen Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie gehören nicht nur rechte Verschwörungstheorien, sondern auch parareligiöse Rechtfertigungsversuche: Das Virus käme quasi zur rechten Zeit, um die fehlgeleitete Menschheit zur Umkehr zu bewegen, denn von «Fortschritt», Liberalität, Konsum und Reisen gelte es Abschied zu nehmen. Doch in Anbetracht unzähliger...
Erzählt wird eine Geschichte von nachgerade biblischer Archaik: Beim Ansturm der Tataren, wir schreiben das Jahr 1243, flehen die Bewohner der Stadt Kitesh zu Gott, er möge das Schicksal wenden und sie vor dem sicheren Tod bewahren. Der Höchste zeigt sich gnädig gestimmt und lässt die Stadt samt Einwohnerschaft kurzerhand im Erdboden versinken – alle sind gerettet!...
Das Ensemble der im Verbund geführten Theater von Biel und Solothurn war startklar – da schlugen die neuesten behördlichen Anweisungen zum Umgang mit der Pandemie ein. Den Schließbefehl mochte man nicht einfach so hinnehmen. Wenigstens die Premiere sollte über die Bühne gehen, und so kam «Casanova in der Schweiz» von Paul Burkhard als «Geschlossene Vorstellung»...
