Freiheit, die wir meinen
Machen wir uns nichts vor: Die Welt, sei sie alles, was der Fall ist (wie Wittgenstein sagt), sei sie Inbegriff möglicher oder wirklicher Tatsachen, hat sich in den vergangenen zwölf Monaten radikal verändert. Die condition humaine zeigt sich in neuem Licht: trüber, trister, ja beinahe utopielos. Geblieben sind hingegen die Begriffe, mit denen Welt erfasst wird, sowie die aus ihnen resultierenden Diskurse.
Doch gerade in der jüngeren Vergangenheit haben Worte wie «Freiheit», «Moral», «Demokratie» oder «Diktatur» eine höhere Dringlichkeit und differenziertere Faktizität erhalten. Man könnte sagen: Sie wurden zugespitzt. Aber nicht unbedingt präzisiert. Denn viele der privaten und öffentlichen Debatten wurden mit einem solch hohen Maß an Emotionalität geführt, dass Sinn, Zweck und Ziele dieser Debatten in den Hintergrund traten. Nicht selten war da kaum mehr zu vernehmen als viel Lärm um nichts.
Es lohnt sich aus diesem Grund, wieder einmal zu den Schriften von Émile Durkheim zu greifen, insbesondere zu jener unter dem Titel «Physik der Sitten und des Rechts» publizierten Reihe von Vorlesungen, die Durkheim gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bordeaux und Paris ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 4
von Jan Verheyen
Dem europäischen Theater ist die Sorge vor der Ansteckung mit Krankheiten bereits in der Antike vertraut. Miasmen und Pesthauch, später dann Bakterien und Viren sind die unsichtbaren Akteure der europäischen Theatergeschichte. Maßnahmen der Vorbeugung, der Prävention, aber auch die Angst vor der Ansteckung und dem Fremden haben den Ort des Theaters in der...
Am 27. März 2019 nahm Edita Gruberová am Münchner Nationaltheater ihren Abschied von der Bühne – als Elisabetta in Gaetano Donizettis «Roberto Devereux», die am Ende dieser Oper der Herrschaft entsagt. Der Thron einer Königin der Koloratur wurde frei und eine der derzeit weltweit gefeierten Vertreterinnen des virtuosen Sopranfachs machte sich bereit, diesen Thron...
Der Titel spiegelt den ewigen Wunsch des Menschen, dass nicht alles vorüber sei nach dem letzten Aufflackern der Gehirnströme; dass hinter den Momentaufnahmen unseres Lebens eine grandiose Totale stehe. Und in der Tat: Wäre es nicht eine schlimme Farce, wenn etwa Goethes «Faust» und Mozarts Symphonien, Wagners «Ring» bloß Resultate spezieller neurophysiologischer...
