Freiheit, die ich meine

Ein Sonderband durchleuchtet Leben und Œuvre des Schweizer Komponisten Michael Wertmüller

Opernwelt - Logo

Die Einschätzung stammt aus berufenem Munde. Dieter Schnebel war Anfang der 1990er-Jahre der Lehrer von Michael Wertmüller, und was er, ein Dezennium später, wortreich wie bildmächtig zu Protokoll gab, darf mit winzigen sich verändernden Nuancen auch noch heute für den Schweizer Komponisten gelten: Dessen Musik, so Schnebel, sei «einerseits von roher Kraft, andererseits spekulativ». Und ihr Schöpfer selbst «eine widersprüchliche Figur.

Einerseits verborgen traditionsbezogen, sogar verquer schweizerisch beheimatet, andererseits (schmerzlich?) angesiedelt in der Computerwelt und extrem technologischen Verfahrensweisen; einerseits insgeheim romantisch […], auch als Jazzspieler und im Leben; andererseits mit modernsten Materialien und Verfahrensweisen arbeitend».

Ganz gewiss zählt Wertmüller zu den interessantesten Komponisten unserer Zeit, vor allem deshalb, weil er sich ein individualistisches Musikdenken bewahrt hat, ohne die ästhetischen Imperative unserer Zeit zu negieren oder zu ignorieren, und auch, weil seine Klangsprache eine unvergleichbare Idiomatik entwickelt hat, die ihn als Createur du monde auszeichnet, als Künstler, der die Spätmoderne in all ihren Widersprüchen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2025
Rubrik: Medien, Seite 30
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Außer Atem

Es ist eine Menge los im neuen Dortmunder «Don Giovanni»: Schon in der Ouvertüre tuscheln der Titelheld und sein Diener auf einer Bank am linken Bühnenrand und brechen in höhnisches Gelächter aus. In rascher Folge huscht auch das übrige Personal herbei. Konstellationen werden angedeutet, stumme Szenen skizzieren die folgenden Turbulenzen. Derweil hat George Petrou...

Personalien, Meldungen 3/25

JUBILARE

Am 18. März feiert der Dirigent James Conlon seinen 75. Geburtstag. Von 1989 bis 2002 war er Kölner Generalmusikdirektor, seit einigen Jahren liegt das Zentrum seiner Tätigkeit in seiner amerikanischen Heimat: Seit 2006 ist er Musikdirektor der Oper von Los Angeles. Sein Vertrag dort läuft bis 2026. Am 18. März 1950 in New York zur Welt gekommen,...

Dunkle Brillanz

Erotik als strafbares Mysterium, der sündhafte Mensch unter der Knute Gottes, und das weltberühmte Schmerzensmal eines queeren Komponisten: Dieses Konzert der Berliner Philharmoniker vereinte emotionale und spirituelle Rammböcke. Samuel Barbers «Adagio for Strings» und Sofia Gubaidulinas 2020 unter Oksana Lyniv in Wien uraufgeführtes Orchesterwerk «Der Zorn Gottes»...