Freiheit, die ich meine
Die Einschätzung stammt aus berufenem Munde. Dieter Schnebel war Anfang der 1990er-Jahre der Lehrer von Michael Wertmüller, und was er, ein Dezennium später, wortreich wie bildmächtig zu Protokoll gab, darf mit winzigen sich verändernden Nuancen auch noch heute für den Schweizer Komponisten gelten: Dessen Musik, so Schnebel, sei «einerseits von roher Kraft, andererseits spekulativ». Und ihr Schöpfer selbst «eine widersprüchliche Figur.
Einerseits verborgen traditionsbezogen, sogar verquer schweizerisch beheimatet, andererseits (schmerzlich?) angesiedelt in der Computerwelt und extrem technologischen Verfahrensweisen; einerseits insgeheim romantisch […], auch als Jazzspieler und im Leben; andererseits mit modernsten Materialien und Verfahrensweisen arbeitend».
Ganz gewiss zählt Wertmüller zu den interessantesten Komponisten unserer Zeit, vor allem deshalb, weil er sich ein individualistisches Musikdenken bewahrt hat, ohne die ästhetischen Imperative unserer Zeit zu negieren oder zu ignorieren, und auch, weil seine Klangsprache eine unvergleichbare Idiomatik entwickelt hat, die ihn als Createur du monde auszeichnet, als Künstler, der die Spätmoderne in all ihren Widersprüchen ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Medien, Seite 30
von Jürgen Otten
Die Opéra national de Paris hat kein Glück mit dem «Ring». Wagners Tetralogie wurde in Frankreichs Hauptstadt zunächst stückweise präsentiert, zudem in der falschen Reihenfolge: «Das Rheingold» kam erst 1909 zur Aufführung, nach «Walküre» (1893), «Siegfried» (1901) und «Götterdämmerung» (1908) – und zwei Jahrzehnte nach Produktionen in ungleich kleineren Städten...
Die Tragédie en musique «Castor et Pollux» von Jean-Philippe Rameau gehört zu den populärsten Werken des großen Franzosen. Teodor Currentzis und Peter Sellars wählten für ihre Neuproduktion im Palais Garnier die erste, umfangreichere Fassung von 1737. Die fast Wagner’sche Länge dieser Version erlaubte es den Interpreten, sämtliche Facetten von Rameaus zwischen...
Zu den erstaunlichen Aspekten dieses in vielfacher Hinsicht erstaunlichen Stücks gehört, dass es von einem jungen Mann geschrieben wurde. «Guercœur» mutet in vielem an wie ein opus summum. Albéric Magnard war aber Mitte Dreißig, als er daran arbeitete. Eine Tragédie en musique nennt er sein zwischen 1897 und 1900 entstandenes Werk, knüpft damit ans barocke...
