Frei flottierende Assoziationen
Im zeitgenössischen Kunstbetrieb ist Jonathan Meese schon seit ein paar Jahren everybody’s darling. Herumgereicht zwischen Berlin und Frankfurt, Köln und London, Mailand und New York. Das Theater hat ihn erst kürzlich entdeckt. Frank Castorf, das Ohr stets an den raunenden Untertönen des Zeitgeistes, nahm den jungen Bilderstürmer mit dem fettigen Langhaar für seine Berliner Volksbühne in Dienst: Deutschlands derzeit angesagtester Allround-Kunstwerker sollte den Schauplatz für Castorfs Inszenierung des Pitigrilli-Romans «Kokain» gestalten.
Und Meese hatte dabei, laut eigener Auskunft, nichts Geringeres als das Bühnenbild aller Bühnenbilder im Sinn. Eine universell deut- und verwendbare Wunderkammer frei flottierender Reiz-Symbole, vornehmlich aus dem Fundus der deutschnationalen und nationalsozialistischen Ikonographie.
Inzwischen ist der ob solcher Vorlieben zum agent provocateur der aktuellen Kunstszene stilisierte Maler, Installateur und Performance-Produzent sogar in der Oper angekommen. Genauer: im luftig-maroden Magazingebäude der Berliner Staatsoper, wo er während der Osterfestspiele an drei Tagen auf seine Weise Stellung zum gleich nebenan zelebrierten Original-«Parsifal» ...
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