Eislaufvaters Macht

Patriarchat und Freiheit der Lust: Hamburg zeigt Michail Glinkas Märchenoper «Ruslan und Ljudmila» als Erzählung aus dem jüngeren Russland. Doch wie relevant ist das für uns?

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Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik.

Aber was für eine: Das weit ausgreifende Violinsolo, das Ljudmilas Arie der Hoffnungslosigkeit begleitet (niemals wieder, denkt sie, würde sie aus dem Reich des bösen Zauberers Tschernomor befreit werden, der sie von der Hochzeit weg entführt hatte), erzählt von tiefer Traurigkeit, von bitterem Hadern (immer wieder kehrt die Melodie zum dramatischen Klang der tiefen G-Saite zurück), aber auch von Trost, der sich aus der hinreißenden Schönheit dieser Musik ergibt. Für einen Moment steht alles still in der schmutzigen, graffiti-beschmierten U-Bahn-Station, der Geiger mit Frack (Konradin Seitzer, 1. Konzertmeister des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, spielt es mit anrührender Eindringlichkeit) steht da wie der Bote aus einer anderen, glänzenden Welt. Aus dem Aufeinanderprallen der Gegensätze ergibt sich eine Aussage, die Musik erhält einen Raum, in dem sie ...

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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Clemens Haustein

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