Französisches Schottenstück
Der Vorrat vernachlässigter Komponisten der französischen (Früh-)Romantik scheint unerschöpflich. Dass diese Epoche heute zunehmend wiederentdeckt wird, verdankt sich einem Geschmackswandel, der Heiterkeit, Eleganz und Ironie nicht mehr mit Oberflächlichkeit gleichsetzt. Viele Ausgrabungen gehen aber direkt auf das Konto der dieses Terrain systematisch sondierenden Stiftung Palazzetto Bru Zane.
Erst im März war sie an der Neuproduktion der Opéra Comique von Ferdinand Hérolds «Les Pré aux clercs» beteiligt, nun folgte an der Opéra Royal in Versailles konzertant Étienne-Nicolas Méhuls «Uthal». Ein in mehrfacher Hinsicht kurioses Werk. Schon formal frappiert der 70-minütige Einakter: Im Orchesterpart fehlen die Violinen, stattdessen führen die Bratschen, der Chor ist nur mit Männern besetzt, die einzige Frauenstimme – Malvine – ist ein Mezzo. Der Komponist wollte auf diese Weise eine dunkle, «schottische» Atmosphäre schaffen: Das 1806 an der Opéra Comique uraufgeführte Werk basiert auf den «Gesängen des Ossian» des schottischen Dichters James Macpherson. Méhuls Oper schildert die Zwangslage Malvinas, deren Ehemann Uthal das Land ihres Vaters Larmor besetzt hat. Sie versucht, den Krieg ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Regine Müller
Musikalisch wird das Rad nicht neu erfunden in dieser «Zauberflöte» aus Amsterdam. Auch wenn sich Marc Albrechts weiche, fedrig-elegante Lesart mit dem Nederlands Kamerorkest sehr wohl hören lassen kann. Ebenso wie die Sänger: Maximilian Schmitt als Tamino und Christina Landshamer als Pamina zum Beispiel. Besonders Thomas Oliemans’ Papageno nimmt für sich ein, der...
Die Musik ist ein gemischter Salat, angerichtet von vielen Könnern», besagte ein Bonmot neapolitanischer Impresari über die Gattung des Pasticcio. Das beherzigte mitunter auch der geschäftserfahrene Georg Friedrich Händel: Für seine Saison-Menus am King’s Theatre in London rührte er je nach Bedarf und Auslastungszahlen Pasticci aus der neapolitanischen Küche...
Richard Strauss hat seine «Feuersnot» wie einen Steinbruch benutzt. Passagen daraus kehren – eingepasst in andere Zusammenhänge – in «Salome» und «Elektra» wieder, auch Walzerseligkeit und Ensemblekunst des «Rosenkavalier» sind ohne die Vorerfahrung mit dem frühen Einakter undenkbar. Dass das Stück selten gespielt wird, dürfte vor allem mit dem Text zu tun haben...
