Französisches Schottenstück
Der Vorrat vernachlässigter Komponisten der französischen (Früh-)Romantik scheint unerschöpflich. Dass diese Epoche heute zunehmend wiederentdeckt wird, verdankt sich einem Geschmackswandel, der Heiterkeit, Eleganz und Ironie nicht mehr mit Oberflächlichkeit gleichsetzt. Viele Ausgrabungen gehen aber direkt auf das Konto der dieses Terrain systematisch sondierenden Stiftung Palazzetto Bru Zane.
Erst im März war sie an der Neuproduktion der Opéra Comique von Ferdinand Hérolds «Les Pré aux clercs» beteiligt, nun folgte an der Opéra Royal in Versailles konzertant Étienne-Nicolas Méhuls «Uthal». Ein in mehrfacher Hinsicht kurioses Werk. Schon formal frappiert der 70-minütige Einakter: Im Orchesterpart fehlen die Violinen, stattdessen führen die Bratschen, der Chor ist nur mit Männern besetzt, die einzige Frauenstimme – Malvine – ist ein Mezzo. Der Komponist wollte auf diese Weise eine dunkle, «schottische» Atmosphäre schaffen: Das 1806 an der Opéra Comique uraufgeführte Werk basiert auf den «Gesängen des Ossian» des schottischen Dichters James Macpherson. Méhuls Oper schildert die Zwangslage Malvinas, deren Ehemann Uthal das Land ihres Vaters Larmor besetzt hat. Sie versucht, den Krieg ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Regine Müller
Faust, ein Wrack. So drastisch-desolat Philipp Stölzl den alten Goethe-Zweifler auch hängen lässt – an den Rollstuhl gefesselt, verfangen in Tröpfen, Kanülen und Kathetern –, so konventionell verfährt er bei der Neuerarbeitung seiner Gounod-Inszenierung aus Basel (siehe OW 5/2008). Zumindest für hauptstädtische Verhältnisse. Emblematisch, also von Schlüsselbildern...
Musikalisch wird das Rad nicht neu erfunden in dieser «Zauberflöte» aus Amsterdam. Auch wenn sich Marc Albrechts weiche, fedrig-elegante Lesart mit dem Nederlands Kamerorkest sehr wohl hören lassen kann. Ebenso wie die Sänger: Maximilian Schmitt als Tamino und Christina Landshamer als Pamina zum Beispiel. Besonders Thomas Oliemans’ Papageno nimmt für sich ein, der...
Alle müsste man sie zusammenspannen, diese Frauen. In einer Debattenrunde, wo sie sich austauschen könnten über ihre Männer, ihre Geliebten, Söhne oder Väter, mehr noch: über das enge, gefährliche Geflecht aus Tradition, Konvention, auch aus selbstverschuldeter Passivität. Insofern ist da eine illustre Runde bei den Münchner Opernfestspielen zusammengekommen. Und...
