Fern tümelnder Romantik

Weber: Der Freischütz Darmstadt / Staatstheater

Wunderbar, wie in der Ouvertüre die Soloklarinette als jäh aufschießende Flamme die Allegro-Erregungen des Orchestertuttis durchbrach, an Klangmacht der impetuösesten Trompete nicht nachstehend und doch so viel verwandter einer transzendierten Menschenstimme. Auch die Hörnergruppe des Staatsorchesters, leicht aufgeraut und virtuos eloquent, hatte unter der souveränen Leitung von Marc Piollet Format – so gelang eine markante musikalische Konzeption, weitab von klischeehaft «tümelnder» Romantik-Tradition.

Selbst der harmlos daherkommende Brautjungfernchor bekam noch ein raffiniertes Rubato mitgeteilt. An dieser hochrangigen musikalischen «Freischütz»-Wiedergabe hatten die Sänger einen nicht geringen Anteil, vor allem die ruhevoll gestaltende und aussingende Susanne Serfling (Agathe), die vollblütig kapriziöse Jana Baumeister (ihre zweite, von der Bratsche «miterzählte» Arie, dramaturgisch fast ein Fremdkörper, ist vielleicht die bestrickendste «Nummer» der Partitur) und der als Max figürlich und darstellerisch frappierend agile, vokal bei durchaus solider Kraftentfaltung etwas eindimensionale Mark Adler.

Komplizierter steht es um die Würdigung der szenischen Arbeit an dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Hans-Klaus Jungheinrich

Weitere Beiträge
Die Augen rechts

Gespenstisch ist das. Weniger der Holländer selbst – eher, was sich in Balázs Kovaliks vieldeutig ironischer Inszenierung von Wagners Oper im Budapester Palast der Künste in den Chorszenen tut. In Reih und Glied, im Gleichschritt marsch, die Augen rechts, manche Gesten sind so hohl, dass ganze Völker darin Platz haben. Wimpel werden geschwungen, Nationalflaggen...

Schicht um Schicht

Gegen den Strich» dieses Motto für die letzten von ihr verantworteten KunstFestSpiele Herrenhausen taugt vielleicht auch als Überschrift für die ganzen sechs Jahre, in denen Elisabeth Schweeger versuchte, einen der bedeutendsten Barockgärten Europas, der zuvor meist als Kulisse für Barockes, Kleinkünstlerisches und Feuerwerk diente, für die Moderne zu öffnen. Der...

Hübsch historisierend

Es kommt nicht oft vor, dass ein Regisseur in Glyndebourne zwei Produktionen gleichzeitig laufen hat. Noch dazu Opern mit Sprechtexten: Für das Singspielformat hat sich das englische Publikum nie recht erwärmen können, schon gar nicht im Original. Bei der «Entführung aus dem Serail» trauen sich die meisten ja nicht mal, den deutschen Titel zu benutzen – zu riskant,...