Fern tümelnder Romantik
Wunderbar, wie in der Ouvertüre die Soloklarinette als jäh aufschießende Flamme die Allegro-Erregungen des Orchestertuttis durchbrach, an Klangmacht der impetuösesten Trompete nicht nachstehend und doch so viel verwandter einer transzendierten Menschenstimme. Auch die Hörnergruppe des Staatsorchesters, leicht aufgeraut und virtuos eloquent, hatte unter der souveränen Leitung von Marc Piollet Format – so gelang eine markante musikalische Konzeption, weitab von klischeehaft «tümelnder» Romantik-Tradition.
Selbst der harmlos daherkommende Brautjungfernchor bekam noch ein raffiniertes Rubato mitgeteilt. An dieser hochrangigen musikalischen «Freischütz»-Wiedergabe hatten die Sänger einen nicht geringen Anteil, vor allem die ruhevoll gestaltende und aussingende Susanne Serfling (Agathe), die vollblütig kapriziöse Jana Baumeister (ihre zweite, von der Bratsche «miterzählte» Arie, dramaturgisch fast ein Fremdkörper, ist vielleicht die bestrickendste «Nummer» der Partitur) und der als Max figürlich und darstellerisch frappierend agile, vokal bei durchaus solider Kraftentfaltung etwas eindimensionale Mark Adler.
Komplizierter steht es um die Würdigung der szenischen Arbeit an dieser ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Hans-Klaus Jungheinrich
Ein Adliger schwängert ein Bauernmädchen und lässt es dann sitzen. Drei Akte lang hofft die Verlassene auf seine Rückkehr, doch als sie Zeugin seiner Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut wird, stürzt sie sich von einem Felsen. Gerade erst hat Regisseur Michael Sturm Stanislaw Moniuszkos 1858 uraufgeführte «Halka» am Pfalztheater Kaiserlautern vorsichtig...
Aus und vorbei! Mit Louis Varneys «Les Mousquetaires au couvent» von 1880 ist die Ära Jérôme Deschamps an der Pariser Opéra Comique zu Ende gegangen. Der Intendant gönnte sich aus diesem Anlass das Vergnügen, wieder mal zu zeigen, dass er vor allem Künstler ist: Nicht nur zeichnet er für die Regie verantwortlich, er übernahm auch die Sprechrolle des Gouverneurs....
Kurz vor elf ist der Kleine Dorfsaal in der Volksschule voll besetzt. Noch macht er sich rar, der berühmte Pensionär, auf den alle warten. Aber dann strebt er plötzlich zum Podium, durch silbergraue Reihen. Das Durchschnittsalter des Publikums: siebzig plus. Über «Die Kunst des Klavierspiels» soll Alfred Brendel sprechen. Ein uferloses Thema. Aber natürlich geht es...
