Unheilige Allianz
Die ersten Takte gehören ihm, dem Sadisten, dem Schlächter, dem Sexmonster: Scarpia ist die treibende Kraft dieses Thrillers. Die Liebenden, Tosca und Cavaradossi, Künstler sie beide, sind nichts als Opfer dieses perversen männlichen Willens. Der bleibt selbst postmortal noch omnipräsent – durch Scarpias Handlanger und durch die Macht der Musik, qua der Puccini der Personifikation des Bösen das letzte Wort gönnt: Der Tritonus als Diabolus in musica zermalmt die schönsten Hoffnungen an die Liebe, die Kunst, die Schönheit.
Silvia Paoli verschiebt in ihrer Inszenierung am kleinsten Opernhaus Frankreichs, das unter seinem Intendanten Matthieu Dussouillez überregional und sogar international zusehends auf sich aufmerksam macht, die Perspektive so dezidiert auf Scarpia, den Schrecklichen, dass man das Stück fast schon umtaufen möchte. Daniel Miroslaw, der als Ensemblemitglied in Hannover mit Verdis Jago die andere grandiose Negativfigur der italienischen Oper verkörpert, darf nun auch in Nancy seine sängerdarstellerischen Qualitäten ausspielen. Der markant deklamierende Bassbariton interpretiert dieses Monster von Mann als einen Psychopathen des Sexus: Sein Scarpia macht sich im ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Peter Krause
Die Frage ist gut: Warum hat Johann Sebastian Bach zeitlebens keine Oper komponiert? Iso Camartin, Philologe und Essayist, von 1985 bis 1997 Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich und bekennender Opernliebhaber, geht ihr mit einer Unbefangenheit nach, die man ihm als Naivität auslegen könnte – mit der Begründung nämlich, Bach...
Des Straussen Richards Oscar-Wilde-Vertonung
Schrieb Erstgenannter kurz nach Fin de Siècle.
Sie spielt in dem Herodes seiner Wohnung,
Zur Bibelzeit, mit manchem Sex-Geschmäckle.
Herodes Tochter will kein Finger-Food!
Nein, nein, sie will den Typen aus dem Keller.
Doch der will nicht – sie krächzt vor Wut, will Blut.
Sie brüllt und sagt: «Okay, bringt einen...
Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein: Auf einer Schaukel schwebt Rusalka übers Wasser. Die Schuppen ihres Nixenkleides funkeln von türkis bis smaragdfarben in allen Grüntönen, die lange Schärpe fließt glitzernd an ihrem Körper herab. Doch das Idyll hat einen Riss: Rusalka will heraus aus ihrer Nixenhaut, ihr nasskaltes Ich abstreifen und menschliche Gestalt...
