Unheilige Allianz
Die ersten Takte gehören ihm, dem Sadisten, dem Schlächter, dem Sexmonster: Scarpia ist die treibende Kraft dieses Thrillers. Die Liebenden, Tosca und Cavaradossi, Künstler sie beide, sind nichts als Opfer dieses perversen männlichen Willens. Der bleibt selbst postmortal noch omnipräsent – durch Scarpias Handlanger und durch die Macht der Musik, qua der Puccini der Personifikation des Bösen das letzte Wort gönnt: Der Tritonus als Diabolus in musica zermalmt die schönsten Hoffnungen an die Liebe, die Kunst, die Schönheit.
Silvia Paoli verschiebt in ihrer Inszenierung am kleinsten Opernhaus Frankreichs, das unter seinem Intendanten Matthieu Dussouillez überregional und sogar international zusehends auf sich aufmerksam macht, die Perspektive so dezidiert auf Scarpia, den Schrecklichen, dass man das Stück fast schon umtaufen möchte. Daniel Miroslaw, der als Ensemblemitglied in Hannover mit Verdis Jago die andere grandiose Negativfigur der italienischen Oper verkörpert, darf nun auch in Nancy seine sängerdarstellerischen Qualitäten ausspielen. Der markant deklamierende Bassbariton interpretiert dieses Monster von Mann als einen Psychopathen des Sexus: Sein Scarpia macht sich im ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Peter Krause
Diese Oper, zentrale Premiere der diesjährigen Potsdamer Musikfestspiele, trägt einen höchst eigenwilligen Titel: «I portentosi effetti della Madre Natura», zu deutsch: «Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur». Was könnte damit gemeint sein? Auch wenn das Programmheft suggeriert, man könne darunter den Anbruch eines neuen Wissenschaftszeitalters verstehen oder...
Für eine gute «Salome»-Aufführung ist man immer dankbar. Die Dauer von nicht einmal zwei Stunden, das gesamte Richard-Strauss-Instrumentations- und Pathos-Paket (samt sarkastischer Fagott-Soli), die klare Geschichte. Sicher, keine Hoffnung, nirgends. Dafür Dekadenz, Fieslinge, ein Proto-Jesus, eine junge Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Am Pfalztheater...
Was für ein Vergnügen. Auf der Bühne wird singend gespielt, dass sich die Bretter biegen. Im Graben wird Klang gegeben, dass es eine Art hat. Und im voll besetzten Zuschauerraum wird herzlich gelacht. Dabei ist das Stück 236 Jahre alt und spiegelt eine gesellschaftliche Konstellation, die es so nicht mehr gibt. Oder eventuell doch? Mozarts Buffa «Le nozze di...
