CD des Monats: Leiden und Leidenschaft

Rachel Willis-Sørensen betört mit Arien von Mozart, Verdi, Puccini, Dvořák und Lehár

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Wohl kein Himmelskörper wurde so häufig besungen wie dieser. Zu groß seine Faszination, zu immens seine Ausstrahlung, um nicht die Feder in die Tinte zu tauchen. Die vielleicht schönste Hommage an den Mond schrieb Joseph von Eichendorff: «Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst, / Dass sie im Blütenschimmer / Von ihm nur träumen müsst», so lautet die erste Strophe seines Gedichts «Mondnacht». Und so in etwa dürfte auch jene zartbesaitete Nymphe empfinden, die Dvořáks berühmtester Oper ihren Namen gab. Der Mond ist ihr Freund, ihn kann sie zärtlich ansingen.

Und eben das tut Rusalka gleich im ersten Akt, in ihrem wunderbaren Ges-Dur-Larghetto. Eine höchst intime Szene, der wiegende 3/8-Takt deutet es an. Dvořák notiert ein dreifaches piano. Rachel Willis-Sørensen, vom Orchestra del Teatro Carlo Felice di Genova unter Frédéric Chaslin überaus behutsam begleitet, folgt dem Willen des Komponisten, füllt den Melos aber mit einem drängenden Gestus, der Rusalkas scheue Bitte («O Mond, du darfst nicht eilen») in ein flehentliches Verlangen umdeutet. Das grundweg warme Timbre der US-amerikanischen Sopranistin erinnert nicht nur bei diesem Stück ein wenig an Maria Callas, wobei ...

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Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 27
von Jürgen Otten

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