Flucht aus der Gegenwart
Die Komponistenprominenz gibt sich die Ehre: Aribert Reimann und Manfred Trojahn betreten das Landestheater Detmold, um einer Uraufführung beizuwohnen. Sie erleben eine Zeitreise zurück in die Welt um 1900. Der 1979 geborene Alexander Muno hat Gabriele d’Annunzios Drama «Sogno d’un mattino di primavera» (Traum eines Frühlingsmorgens) mit vielen Anklängen an den musikalischen Stil der Entstehungszeit vertont. Eine Oper ganz ohne Gegenwartsbezug, als hätte es die Avantgarde nie gegeben.
Reimann und Trojahn saßen in der Jury des Giselher-Klebe-Kompositionswettbewerbs, den Muno gewonnen hat. Und weil Klebe in Detmold wohnte, finanziert das NRW-Kultursekretariat nicht nur das Preisgeld in Höhe von 20 000 Euro, sondern unterstützt auch die Produktion. Worum geht’s? Donna Isabella hat ihren Geliebten geschlachtet. Nun träumt, schaudert, sehnt und wähnt sie in einer toskanischen Villa vor sich hin (D’Annunzio schrieb diese Rolle für seine Geliebte, die Schauspielerin Eleonora Duse). Lange Zeit ist die rund zweistündige Oper fast pures Kolorit. Ganz im Geiste von Debussys «Pelléas et Mélisande» lässt Muno Farben flirren, sacht touchiert die spätromantische Tonalität die Grenze zu ihrer ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Stefan Keim
Knapp vorbei ist auch daneben. 1921 schrieb Arnold Schönberg in einer kleinen Festschrift zum Geburtstag seines Lehrers, Freundes und Schwagers Alexander Zemlinsky: «Zemlinsky kann warten.» Warten musste dieser in der Tat: Die Uraufführung seiner Oper «Der Traumgörge» ging erst 1980, mit gut 75 Jahren Verspätung, in Nürnberg über die Bühne.
Schönberg hatte das...
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In Bremen müsste Donizettis lyrische Tragödie «Maria Stuarda» eigentlich «Elisabetta» heißen: Anna-Sophie Mahlers Inszenierung zeichnet ein faszinierendes Psychogramm der als «jungfräuliche Königin» in die Geschichte eingegangenen englischen Monarchin. Sie zeigt sich als im politischen Alltag hart gewordene Frau, die immer wieder mit den in ihr aufbrechenden...
