Flachrelief und Improvisation
Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu solchen Gedanken wird man durch zwei neue Inszenierungen von Verdis «Simon Boccanegra» angeregt, die an der Nederlandse Opera Amsterdam beziehungsweise an der Pariser Bastille-Oper herausgekommen sind.
Es bietet sich für eine schnelle Dramaturgie natürlich an, die politische Szenerie des gegenwärtigen Italien à la Berlusconi und Prodi auf das Melodramma von Francesco Maria Piave und Arrigo Boito zu projizieren. Das auf den ersten Blick große Durcheinander in der Handlung entspricht durchaus der gegenwärtigen politisch-parlamentarischen Realität, auch wenn man den Giftmord(versuch) inzwischen an andere Länder abgetreten hat, siehe Ukraine. Doch solche hurtigen Parallelisierungen tangieren bestenfalls die Oberfläche der Geschichte. Wenn Verdi den Machtkampf zwischen Patriziern und Plebejern im Genua des frühen vierzehnten ...
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Man liebt sich, man fetzt sich. Statt der üblichen Abgangsarie hören wir ein Duett. Poro und Cleofide fauchen sich an wie Katzen und werfen sich die reizenden Melodien an den Kopf, mit denen sie sich eben noch ihre Treue versichert haben. Kurz darauf, nach der Pause, sind beide wieder in zärtlichstem fis-moll vereint, largo und pianissimo. Und das ist auch nötig,...
In Gelsenkirchen, das sich seit Jahren mit viel Engagement, aber wenig künstlerischer Fortune, der italienischen Belcanto-Oper des frühen Ottocento annimmt, kam Bellinis «Zaira» zu deutschen Erstaufführung, ja zur ersten Aufführung außerhalb Italiens überhaupt. Dem 1829 bei seiner Premiere in Parma durchgefallenen Werk liegt Voltaires zur Zeit der Kreuzzüge...
In der Regel ist es eher umgekehrt. Da erläutern Regisseure im Programmbuch vollmundig ein Konzept, das sich auch mit «Bedienungsanleitung» nicht so richtig erschließt. Sven-Eric Bechtolf dagegen stapelt dieses Mal tief. Er sagt im Essay zu seiner Zürcher «Don Giovanni»-Neuinszenierung – im Übrigen einer brillanten, konzisen Werkdeutung –, was alles nicht gezeigt...
