Flachrelief und Improvisation
Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu solchen Gedanken wird man durch zwei neue Inszenierungen von Verdis «Simon Boccanegra» angeregt, die an der Nederlandse Opera Amsterdam beziehungsweise an der Pariser Bastille-Oper herausgekommen sind.
Es bietet sich für eine schnelle Dramaturgie natürlich an, die politische Szenerie des gegenwärtigen Italien à la Berlusconi und Prodi auf das Melodramma von Francesco Maria Piave und Arrigo Boito zu projizieren. Das auf den ersten Blick große Durcheinander in der Handlung entspricht durchaus der gegenwärtigen politisch-parlamentarischen Realität, auch wenn man den Giftmord(versuch) inzwischen an andere Länder abgetreten hat, siehe Ukraine. Doch solche hurtigen Parallelisierungen tangieren bestenfalls die Oberfläche der Geschichte. Wenn Verdi den Machtkampf zwischen Patriziern und Plebejern im Genua des frühen vierzehnten ...
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Bellezza, verità e vanità – das Schöne, das Wahre und die Ware. Das ist nicht ganz korrekt übersetzt, doch entsprechen einander die kritischen Anzüglichkeiten. Ist es ein Sprachscherz des Hegel’schen Weltgeistes über die Mentalität der Völker? Die Wortspiele, die der klassischen Dreiheit vom Schönen, Wahren und Guten ans Leder gehen, zielen bei den Teutonen auf den...
Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge...
