Dürftig
In Gelsenkirchen, das sich seit Jahren mit viel Engagement, aber wenig künstlerischer Fortune, der italienischen Belcanto-Oper des frühen Ottocento annimmt, kam Bellinis «Zaira» zu deutschen Erstaufführung, ja zur ersten Aufführung außerhalb Italiens überhaupt.
Dem 1829 bei seiner Premiere in Parma durchgefallenen Werk liegt Voltaires zur Zeit der Kreuzzüge spielende Tragödie von der Liebe der Christensklavin Zaira zum muselmanischen Sultan Orosmane zugrunde, die Felice Romani in seinem Libretto aller aufklärerischen Toleranzideen entkernt und auf den romantischen Grundkonflikt der tödlichen Passion konzentriert hat, ohne doch auf diese Weise eine stimmige Dramaturgie zu erreichen. Bellinis Musik oszilliert denn auch unentschieden zwischen blassen Reminiszenzen an Rossinis Klassizismus und jenen romantischen Exzessen der Leidenschaft, wie er sie selbst 1827 in der Finalszene von «Il pirata» erstmals auf die Opernbühne gebracht hatte. Nach der erfolglosen Uraufführung sah Bellini sein Scheitern ein und schlachtete große Teile der «Zaira» für seine nächste Oper «I Capuleti e i Montecchi» aus (dem Trauerchor der gefangenen Franken auf den Tod Lusignanos begegnen wir in «Norma» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Offenbachs «Rheinnixen» 2002 in Montpellier konzertant «wiederentdeckt» wurden, glich das einer Sensation, die vom Publikum heftig gefeiert wurde. Nicht minder Aufsehen erregend war die erste szenische Wiederbelebung 2005 in Ljubljana – einhunderteinundvierzig Jahre nach der Uraufführung.
Jacques Offenbachs Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas...
Eine Oper ohne Szene ist wie eine Hochzeit ohne Braut. Was man sonst aus Italien oder Paris kennt, feierte in Deutschland seine Premiere: der streikbedingte Ausfall einer Uraufführung. Die Uneinsichtigkeit der Dienstleistungsgesellschaft Verdi, die mit dem Komponisten gleichen Namens nur die Dickköpfigkeit verbindet, hat dazu geführt, dass die Uraufführung von...
Mit der «Proserpina» des erst in den 1990er-Jahren wiederentdeckten deutsch-schwedischen Komponisten und Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus sowie der Uraufführung von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper «Kälte» («Da gelo a gelo») hat sich Schwetzingen einmal mehr zu seiner Vorliebe für das Ausgefallene und Aparte bekannt. Beide Male wurde der Mut zum Risiko...
