Das «schöne, wilde Tier» – der Mann
In der Regel ist es eher umgekehrt. Da erläutern Regisseure im Programmbuch vollmundig ein Konzept, das sich auch mit «Bedienungsanleitung» nicht so richtig erschließt. Sven-Eric Bechtolf dagegen stapelt dieses Mal tief. Er sagt im Essay zu seiner Zürcher «Don Giovanni»-Neuinszenierung – im Übrigen einer brillanten, konzisen Werkdeutung –, was alles nicht gezeigt werden sollte, wenn man dem Stück keine Gewalt antun wolle. Und schafft es, ohne dem Stück Gewalt anzutun – Châpeau.
Das heißt – was zu sehen ist, lässt sich als Kosmos von Archetypen begreifen, ausgestattet mit den Insignien einer glamourösen Gegenwart: Smoking, Dinner-Jacket, Petticoat, Reizwäsche und dergleichen Reize mehr. Doch irgendwiehaben Marianne Glittenbergs mondäne Kostüme trotz aller Farbsymbolik, etwa bei den Sakkos des Titelhelden, auch wieder gar nichts Dezidiertes, Konkretes. So wie Rolf Glittenbergs Bühne, ein zentralperspektivisch ausgerichtetes Konstrukt aus lauter Goldrahmen, die als Soffitten das Theater der Mozart-Zeit zitieren. Doch beides spricht in seiner ursprünglichen Funktion zum Zuschauer: die Kostüme als Kostüme, die Bühne als Bühne. Mit anderen Worten: So konkret Bechtolfs «Don Giovanni» mit ...
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Herr Mölich-Zebhauser, wieviel Ihrer Arbeitszeit widmen Sie der Akquisition von Fördergeldern, wieviel der Kunst?
Als ich vor acht Jahren in Baden-Baden anfing und das Haus rote Zahlen schrieb, musste ich zwei Drittel meiner Zeit finanziellen Dingen widmen. Heute sind es nur noch vierzig Prozent.
Ist es nicht frustrierend, wenn man dauernd reiche Menschen umwerben...
Auch wenn man es ihm nicht sofort anmerkt: Musikalisch ist «Lohengrin» durch und durch ein Werk des Übergangs. Bis zum «Rheingold», wo sich das Motivgewebe radikal und frei ausbreitetet, bleibt ein weiter Weg. Noch kleben die Themen eng an dem, was Wagner später als «quadratische Tonsatz-Konstruktion» verspottete. Noch sind ihre Metamorphosen begrenzt, ihre...
Blauweiße Kacheln mit Herzchenmuster. Weißes Giebelfachwerk, Krüge schwenkende Bauern. Eine Wiederauflage von Heinz Schenks legendärem «Blauen Bock»? Beinahe! Stein Winge inszeniert an der Oper Frankfurt Bedrich Smetanas «Verkaufte Braut». Der norwegische Regisseur verpflanzt die tschechische Festoper par excellence in eine spießige Tümelei. Kostümbildner Jorge...
