Das «schöne, wilde Tier» – der Mann
In der Regel ist es eher umgekehrt. Da erläutern Regisseure im Programmbuch vollmundig ein Konzept, das sich auch mit «Bedienungsanleitung» nicht so richtig erschließt. Sven-Eric Bechtolf dagegen stapelt dieses Mal tief. Er sagt im Essay zu seiner Zürcher «Don Giovanni»-Neuinszenierung – im Übrigen einer brillanten, konzisen Werkdeutung –, was alles nicht gezeigt werden sollte, wenn man dem Stück keine Gewalt antun wolle. Und schafft es, ohne dem Stück Gewalt anzutun – Châpeau.
Das heißt – was zu sehen ist, lässt sich als Kosmos von Archetypen begreifen, ausgestattet mit den Insignien einer glamourösen Gegenwart: Smoking, Dinner-Jacket, Petticoat, Reizwäsche und dergleichen Reize mehr. Doch irgendwiehaben Marianne Glittenbergs mondäne Kostüme trotz aller Farbsymbolik, etwa bei den Sakkos des Titelhelden, auch wieder gar nichts Dezidiertes, Konkretes. So wie Rolf Glittenbergs Bühne, ein zentralperspektivisch ausgerichtetes Konstrukt aus lauter Goldrahmen, die als Soffitten das Theater der Mozart-Zeit zitieren. Doch beides spricht in seiner ursprünglichen Funktion zum Zuschauer: die Kostüme als Kostüme, die Bühne als Bühne. Mit anderen Worten: So konkret Bechtolfs «Don Giovanni» mit ...
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Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu...
Da war sie mal wieder, die Tristesse, die unserem guten, alten Stadttheater zu schaffen machen kann. Da müht sich die Freiburger Oper rechtschaffen mit einer deutschen Erstaufführung ab, zählt also auf die Neugier ihres Publikums. Und was geschieht? Bereits am zweiten Abend von Michaël Levinas‘ Genet-Vertonung «Les Nègres» bewegt sich der «Andrang» nur knapp...
Vor zwei Jahren träumte er noch. «Mir schwebt vor, möglichst viele Formen der Gegenwartskunst in diese Mauern zu holen, Film, Literatur, bildende Kunst, jede durchaus in ihrem eigenen Recht, und sie zum Austausch mit der Kunstform Oper zu provozieren», hatte Seán Doran, von Herbst 2003 an Künstlerischer Chef der English National Opera, dem Schreiber dieser Zeilen...
