Figuren lieben
Nicht nur in die heilige Stadt führen viele Wege. Auch zum Olymp der Sängerinnen gibt es verschiedene Pfade, nicht wenige von ihnen sind mit etlichen Hindernissen gesät. Elena Stikhina kann davon mehr als nur ein Lied singen. Geboren im russischen Lesnoi, an den Ufern der Tura, wurde sie von den sogenannten Experten zunächst als leichter und lyrischer Sopran taxiert. Was sie, bei genauerem Hinhören, nur sehr bedingt ist. Die darauf folgende Krise hat die Sängerin aber größer gemacht, als sie sich zeitweilig selbst fühlte, und sie darin bestärkt, vor allem ihrer inneren Stimme zu folgen. Spätestens seit ihrer umjubelten Médée bei den Salzburger Festspielen im Jahr 2019 (in Simon Stones Inszenierung von Marc-Antoine Charpentiers Tragédieen-musique) zählt Stikhina zu den Besten ihres Fachs. Ihr Repertoire ist reichhaltig. Sie kann sowohl eine Norma als auch eine Salome oder eine Tatjana mit der größten Glaubwürdigkeit verkörpern. Zur «Sängerin des Jahres» wurde Stikhina allerdings für ihr Porträt der Jeanne in Tschaikowskys Oper «Die Jungfrau von Orléans» an der Nationale Opera & Ballet in Amsterdam gekürt. In Dmitri Tcherniakovs Lesart steht sie dort vor Gericht. Bei uns steht sie ...
Der Weg zum Hit ist steil. Einige Treppenstufen sind zu überwinden, von der Unterbühne bis hinauf zum Opferstein. Und dann dieses weite blaue, sturzgefährliche Gewand: Als Elena Stikhina endlich oben angekommen ist, auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters, gibt es noch immer keinen Grund zur Erleichterung: «Casta Diva», ultimatives Signet-Stück der großen Diven, vor allem der größten von allen, steht bevor.
Ein wenig Ehrfurcht hört man Stikhinas Gesang an, auch ein vokales Abtaxieren, doch für die Norma bringt sie sehr, sehr viel mit: ein reiches, dunkles Timbre, eine Stimme, die raumfüllende Präsenz und Resonanz entfalten kann, die sich aber auch verschlankt und flexibel macht für die kleinen, so kniffligen Verzierungen. Und sogar für die Cabaletta, von vielen Sopranistinnen als Bonustrack gefürchtet, hat die russische Sopranistin die passenden Zutaten parat – Substanz und Agilität.
Es ist, was nur sehr wenige wissen an diesem Abend in der Bayerischen Staatsoper, das Rollendebüt der 39-Jährigen. Erstmals die Gipfel-Partie Norma, das war eigentlich ganz anders geplant. Schon 2020, an der Boston Lyric Opera, sollte das sein. Wochenlang wurde daran gearbeitet, sogar die ...
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Opernwelt Jahrbuch 2026
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 22
von Markus Thiel
Bilder einer Dystopie: Für ihre Oper «WE (WIR)», uraufgeführt an der Oper Dortmund, nahm sich Sarah Nemtsov Jewgeni Samjatins gleichnamigen Roman als Vorlage. Dargestellt wird das repressive Leben in einer Welt, die einen 200-jährigen Krieg hinter sich hat. Die Menschen tragen nur noch Nummern und sind Überwachung und Folterung ausgesetzt. Eva-Maria Höckmayr...
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Silvia Adler
DARMSTADT
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2. Josefine Mindus; Alyona Rostovskaya; Alexander...
Von Vladimir und Estragon weiß man, dass sie warten, und dass sie es vergeblich tun. An diesem Sommerabend in Aix, 2025, bei der Premiere von Gustave Charpentiers Roman musical «Louise» ist es ein bisschen ähnlich – mit dem feinen Unterschied, dass all jene Paare und Passanten, die mit somnambul verschleiertem Blick im riesigen Warteraum einer psychiatrischen...
