Feuchtgebiete
Wie der schlierige Bart eines Riesen streichen die Wolken über den eiszeitlich rundgeschliffenen Fels. 200 Regentage im Jahr zählt die Statistik für Bergen – heute ist einer davon. Das Wasser tropft nicht, es klatscht. Umso geisterhafter die Blüten der Apfelbäume, der Tulpen. Pralles Rot, ein Ausrufezeichen im feuchten Einheitsgrau. Pocht die Sonne tagsüber doch für eine Stunde auf ihr Recht, verzaubert sie Blätter und Gesichter, lässt Trolle auf dem Wasser tanzen.
Leise Sensation, Augenblicke flüchtigen Glücks, viel intensiver und dankbarer erlebt als im Süden, wo sie sich verschwenderisch ergießt.
Ausgerechnet hier, wo die Natur mit mächtigen Fingern ins Leben eingreift, wo Nordkap und Arktis schon zu ahnen sind, existiert seit 250 Jahren ein philharmonisches Orchester. 1763 rebellierten Bergens Fischer gegen die dänische Herrschaft, der König schickte eine Kommission – und die brauchte Musik, also wurde ein Orchester gegründet. Dass es nie abgewickelt wurde, erklärt Orchesterdirektor Bernt E. Bauge mit dem weltoffenen Charakter der Hansestadt Bergen. Schon seit 1815 seien die Partituren von 100 Symphonien, darunter von Beethoven und Haydn, in den Archiven nachweisbar. Das ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Udo Badelt
Dem Publikum im römischen Teatro delle Dame gefiel das Werk nicht, mit dem Pietro Metastasio sich 1728 als Librettist in der heiligen Stadt vorstellte. Dabei hatte der junge Dichter sich mit seinem Operntext größte Mühe gegeben und ein abwechslungsreiches Drama geschaffen, das dem Komponisten Leonardo Vinci eine ideale Vorlage bot. Im Mittelpunkt steht Cato der...
Als im Januar 1962 an der Londoner Covent Garden Opera der Vorhang zu einer neuen «Zauberflöte» unter Otto Klemperers Leitung aufging, waren die Erwartungen hoch – galt seine Einstudierung des «Fidelio» im Vorjahr doch als Offenbarung. Der Mozart aber geriet zur Enttäuschung, vor allem szenisch (der Maestro hatte sich ausbedungen, selbst die Regie zu übernehmen)....
Das 19. Jahrhundert ist die Epoche des Charakteristischen: 1827 proklamierte Victor Hugo, auch das Hässliche sei schön. 25 Jahre später veröffentlichte ein Nachfolger Kants im ostpreußischen Königsberg gar eine «Ästhetik des Hässlichen». Im 20. Jahrhundert musste sich dann auch das Musiktheater den Katastrophen zweier Weltkriege stellen. Mit dem naiven Glauben an...
