Ensemblekultur
Als im Januar 1962 an der Londoner Covent Garden Opera der Vorhang zu einer neuen «Zauberflöte» unter Otto Klemperers Leitung aufging, waren die Erwartungen hoch – galt seine Einstudierung des «Fidelio» im Vorjahr doch als Offenbarung. Der Mozart aber geriet zur Enttäuschung, vor allem szenisch (der Maestro hatte sich ausbedungen, selbst die Regie zu übernehmen). Aus heutiger Sicht unbegreiflich ist die harsche Kritik an Klemperers Bestehen auf der Originalsprache, doch bis dato war das beliebte Stück hier ausschließlich in der Landessprache gegeben worden.
Das britische Label Testament hat nun den Mitschnitt der Premiere erstmals auf CD veröffentlicht, ein Dokument, das nicht nur für Nostalgiker und Verehrer des Dirigenten von Interesse ist. Dem späten Klemperer wurde oft ein Hang zu breiten, manchmal schwerfälligen Tempi vorgeworfen. In der Tat sind viele Nummern – etwa das Entree der Königin – extrem langsam, doch die Tempi sind flexibel: Die Papageno-Szenen klingen beschwingt, die Sarastro-Auftritte sind nicht weihevoller als nötig, und die Pamina-Arie nimmt Klemperer deutlich rascher als Furtwängler oder Böhm, die wie er noch einem romantischen Mozart-Ideal huldigen. Die ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 21
von Ekkehard Pluta
Muss das sein? Das ist der erste Gedanke, als sich der prächtige Vorhang des Prager Nationaltheaters hebt. Der Blick fällt auf eine riesige Projektion mit dem Konterfei Leos Janáceks, vor das, mit Fräcken angetan, die Sänger treten, um sich einer nach dem anderen vom Gefängniswärter in das Lager bzw. die Oper einweisen zu lassen. Doch wozu dieses szenische...
Vor vier Jahren widmete sich eine Sektion des 32. Deutschen Romanistentages einem komplexen Thema: «Medienkombination Oper: Romanistik im Dialog mit Medien-, Musik- und Theaterwissenschaftlern». Die acht damals gehaltenen Vorträge liegen nun als Buch vor. Leider wird der dialogwillige Leser schon in der Einführung der beiden Herausgeberinnen Maria Imhof und Anke...
Man kann auf eine sehr heutige Art gestrig sein. William Kentridge stopft in Amsterdam die gute alte «Lulu» mit vielem voll, was aktuelle Videotechnik hergibt. Er schickt Bergs Luft- und Liebesgymnastikerin durch vagierende Räume aus Bewegung und Licht. Mal überziehen Zeitungsschnipsel die breite Bühne, mal Spruchbänder mit Zitaten und Kommentaren. Mal spritzt...
