Fenster zum Wahn
Wer am Ende dieses (inklusive zweier Pausen) fast vierstündigen Abends zu lang applaudierte, den bestraften die Wettergötter. Denn just nach dem blutigen Finale von Peter Tschaikowskys «Mazeppa» ging ein Unwetter über Erl nieder, das es in sich hatte. Was wiederum zum Stück ideal passte. Die Vorlage stammt, wie ebenfalls bei «Eugen Onegin» und «Pique Dame», von Alexander Puschkin; allerdings besitzt der machtund liebesgierige Titelheld hier ein historisches Vorbild. Als ukrainischer Kosak kämpfte Mazeppa vor gut 300 Jahren für Unabhängigkeit.
Und war und ist damit hoch umstritten: Es gibt Fans, die ihn als Nationalhelden bejubeln. Und Feinde, oder zumindest Kritiker (wie Puschkin), die sein Leben als Anti-Heldengeschichte darstellen.
Auch Tschaikowsky zeigt in seiner 1884 am Bolschoi Theater uraufgeführten Oper wenig Heroisches. Wir erleben das Scheitern gleich mehrerer Figuren: Der tragisch angewehte Mazeppa unterliegt seiner unbändigen Machtsucht; Maria, die ihn anbetet, verfällt dem Wahnsinn; Marias Vater Kotschubej, Mazeppa einst freundschaftlich verbunden, wird auf dessen Geheiß hingerichtet. Sodann gibt es weitere tragische Charaktere, etwa den unglücklich in Maria ...
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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Jörn Florian Fuchs
Vier Wochen vor seinem Tod führte ich mit Udo Bermbach ein letztes, langes Telefongespräch. Nach mehreren Operationen saß er im Rollstuhl und schrieb an seinem letzten, persönlichsten Wagner-Buch: zur Entstehung der Bayreuther «Ring»-Inszenierung von Jürgen Flimm im Jahr 2000, an der er als wissenschaftlicher Konzept-Dramaturg maßgeblich beteiligt war....
Zeigt mal Eure Papiere», sagt Titus Engel in der Probe. Und die Musikerinnen und Musiker der Basel Sinfonietta rascheln mit unterschiedlich großen Papierfetzen, die für die Aufführung von Isabel Mundrys «Endless Sediments» für Kammerorchester notwendig sind. Backpapier oder Schmirgelpapier? «Wir brauchen ein dezentes Knistern. So steht das in der Partitur», erklärt...
Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen», ermahnt Angèle in Franz Lehárs «Graf von Luxemburg» den Baron von Reval alias René, auch Graf von Luxemburg genannt. Wir schreiben das Jahr 1909, Lehár knüpft mit dieser Operette an den Welterfolg seiner «Lustigen Witwe» (1905) an. Sieben nicht ganz so goldene Jahre später – der Erste Weltkrieg erschüttert bereits...
