Fenster ins Innerste der menschlichen Seele
Sechs Töne sind es, die Lisa auf dem weißen Sonnendeck bedrängen. Ein kurzes, schlichtes Motiv in Quart-, Terz- und Sekundschritten. Nichts Besonderes eigentlich. Und doch brennt sich sofort ein, was Oboe und Fagott da pianissimo und staccato in die Tanztee-Idylle an Bord des Dampfers blasen, der Lisa und Walter nach Brasilien bringen soll. Die ehemalige Auschwitz-Aufseherin und den westdeutschen Karrierediplomaten. Die nichts mehr wissen wollen von dem, was war. Und nun in Foxtrott- und Swing-Laune Europa «Adieu» sagen, um in der Ferne neu anzufangen.
Doch die Dämonen der Vergangenheit werden sie nicht los. Immer wieder durchkreuzt dieses Sechstonmotiv das flüchtige Glück, in allen möglichen Varianten, unerbittlich. Die Ohnmacht, das Klagen, das unterdrückte Schreien der Opfer klingen an. Und die Stimme Marthas, jener polnischen Gefangenen aus dem Lager, die Lisa unter den Reisenden wiederzuerkennen glaubt.
Komponieren, das war für den vor Hitlers Armeen aus Warschau nach Moskau geflohenen Juden Mieczyslaw Weinberg vor allem Trauerarbeit. Niemand hat mit musikalischen Mitteln so poetisch und so persönlich von den Schrecken des 20. Jahrhunderts erzählt wie er. Nicht einmal ...
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Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 38
von Albrecht Thiemann
Opernfilme, Musikfilme überhaupt, gibt es, so lange es den Tonfilm gibt. Doch sie galten jahrzehntelang nur als eine Art Nebenprodukt des aktuellen Geschehens – ein Hilfsmittel zur Dokumentation von Aufführungsgeschichte für Fachleute, ein Objekt für Sammler und eine Spielwiese für Opernfreaks. Das veränderte sich mit dem Aufkommen des Bildtonträgers DVD vor rund...
Deutschland
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GENERALINTENDANT UND GESCHÄFTSFÜHRER:
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SEKRETARIAT DER GESCHÄFTSFÜHRUNG: Doris Hautermann,
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CHEFREGISSEUR UND STELLV. DES GENERALINTENDANTEN IN KÜNSTLERISCHEN FRAGEN: Ludger Engels
KÜNSTLERISCHE...
Das gab es noch nie. Erstmals wurde bei der jährlichen Kritikerumfrage dieser Zeitschrift ein Opernhaus des Jahres gewählt, das außerhalb des deutschen Sprachraums steht: das Théâtre Royal de la Monnaie. Die Entscheidung für Brüssel zeigt: Wichtiger als alles Marketing ist das geistige Profil eines Hauses. Solange die künstlerische Substanz dünn bleibt, nützt die...
