Feinste Arbeit

Edmond Dédés «Morgiane» in Ersteinspielung

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Wenn im vierten Akt der «Morgiane» die Heldinnen und Helden sich im Kerker des Sultans von Isfahan wiederfinden, gelingen dem Komponisten Momente von hoher Dichte und Intensität. Kourouschah hatte die junge Amine bei ihrer Hochzeitsfeier im ersten Akt gewaltsam entführen lassen, um sie nach Despotenart zu seiner Frau zu machen – nicht wissend, dass es sich um seine und einer ehemaligen Favoritin Tochter handelt. Die Mutter Morgiane, der Stiefvater und der Bräutigam machten sich sogleich auf den Weg der Rache und Befreiung, der trotz mancher List scheitert.

Wenn sie jetzt dem sicheren Tod entgegensehen, öffnet sich ihnen, wie im fünften Akt der «Hugenotten», ein ekstatischer Blick ins Paradies. Edmond Dédé schreibt hier einen luziden A-capella-Satz, nachdem er den Akt mit einem komprimierten, mit Hörnern delikat instrumentierten Trauermarsch aus der Tradition der Revolutionsmusiken eingeleitet hatte. Und wenn die Mutter verzweifelt den letzten Trumpf zieht und dem Sultan ihren alten Hochzeitsring präsentiert, dann erfindet Dédé dazu ein elegisches, von Streicherpizzicati begleitetes Hornsolo: alles feinste Arbeit. Das Sujet war im Entstehungsjahr 1887 hoffnungslos veraltet. Die ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Klaus Heinrich Kohrs

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