Feinste Arbeit

Edmond Dédés «Morgiane» in Ersteinspielung

Opernwelt - Logo

Wenn im vierten Akt der «Morgiane» die Heldinnen und Helden sich im Kerker des Sultans von Isfahan wiederfinden, gelingen dem Komponisten Momente von hoher Dichte und Intensität. Kourouschah hatte die junge Amine bei ihrer Hochzeitsfeier im ersten Akt gewaltsam entführen lassen, um sie nach Despotenart zu seiner Frau zu machen – nicht wissend, dass es sich um seine und einer ehemaligen Favoritin Tochter handelt. Die Mutter Morgiane, der Stiefvater und der Bräutigam machten sich sogleich auf den Weg der Rache und Befreiung, der trotz mancher List scheitert.

Wenn sie jetzt dem sicheren Tod entgegensehen, öffnet sich ihnen, wie im fünften Akt der «Hugenotten», ein ekstatischer Blick ins Paradies. Edmond Dédé schreibt hier einen luziden A-capella-Satz, nachdem er den Akt mit einem komprimierten, mit Hörnern delikat instrumentierten Trauermarsch aus der Tradition der Revolutionsmusiken eingeleitet hatte. Und wenn die Mutter verzweifelt den letzten Trumpf zieht und dem Sultan ihren alten Hochzeitsring präsentiert, dann erfindet Dédé dazu ein elegisches, von Streicherpizzicati begleitetes Hornsolo: alles feinste Arbeit. Das Sujet war im Entstehungsjahr 1887 hoffnungslos veraltet. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Klaus Heinrich Kohrs

Weitere Beiträge
Buddhistisches Allerlei

Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....

Vorsicht, Höhengefahr

Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum...

Editorial Opernwelt 4/26

Für eingefleischte Wagnerianer, die sich trotz winterlicher Kälte auf den Weg in die Hamburgische Staatsoper begeben hatten, wurde der 18. Januar 1998 zum Tag des Zorns. An diesem Abend trat die Sünde in die Welt, Sodom und Gomorrha gewissermaßen. Und all jene Jünger, die sich gottgleich im Besitz der Wahrheit wähnten, vereinten sich daraufhin zum erzreaktionären...