Fein gewirkt
Die Nacht an diesem Uraufführungsabend ist eiskalt, der Himmel über Helsinki sternenklar: Der fast volle Mond und der glitzernde Abendstern in seiner Nähe indes lächeln einander nicht friedlich zu, sie scheinen eher fragend dreinzublicken ob des Wahns der Zerstörungswut, mit dem sich die Gattung Mensch da gerade an den Rand der Apokalypse katapultiert.
«Morgenstjernen» (so der norwegische Originaltitel des Romans) wird an diesem Abend in schwedischer Sprache als «Morgonstjärnan» (für das internationale Publikum alternativ unter dem Titel «The Morning Star») in Form einer Oper aus der Taufe gehoben. Der Roman darf dabei als Steilvorlage gelten, um mit den Mitteln der musikalischen Magie seine geheimnisvolle Wirkung zu entfalten. Schließlich ist die Gattung Oper eine Expertin, wenn es darum geht, den Subtexten und Zwischentönen, dem Unterbewussten und Mystischen womöglich noch feiner nachzuspüren, als bloße Worte dies vermögen.
Verblüffend ist dabei, wie schnell diese Transformation vonstatten ging: Erst 2020 veröffentlichte Karl Ove Knausgård «Morgensjternen», in deutscher Übersetzung kam sein Buch sogar 2022 heraus. Librettistin Gunilla Hemming kondensierte dazu die in der Vorlage ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Peter Krause
Erst 1988, mehr als 60 Jahre nach ihrer Uraufführung, gelangte sie in Bielefeld wieder auf die Bühne. Vier Jahre später folgte die Maßstäbe setzende Gesamtaufnahme bei Decca mit Anna Tomowa-Sintow in der Titelpartie; 2018 kam eine weitere höchst achtbare hinzu mit dem Ensemble des Theaters Freiburg unter Fabrice Bollon; nahezu zeitgleich inszenierte Christof Loy...
An der Grenze herrscht absolute Ruhe. Die Hexen auf dem Brocken, dessen Silhouette man mit etwas Phantasie in der Ferne erahnen kann, schweigen still und stumm. Walpurgisnacht ist wohl ein anderes Mal. Vermutlich sieht man auch deswegen keinen Menschen in den Gassen von Sangerhausen, der in Theaterwelten berühmten sachsen-anhaltinischen Kreisstadt, durch die der...
Verräterische Klarinette! In Tschaikowskys «Eugen Onegin» fasst sie unausgesprochene, wo nicht gar unbewusste Gefühle in murmelnde, plaudernde, allzu offenherzige Töne. Als Onegin in der Schlussnummer des ersten Akts dieser Lyrischen Szenen Tatjanas soeben per Brief empfangenen Liebesantrag in einer Arie zurückweist, die die Form eines langen – manche sagen:...
