Fein gewirkt
Die Nacht an diesem Uraufführungsabend ist eiskalt, der Himmel über Helsinki sternenklar: Der fast volle Mond und der glitzernde Abendstern in seiner Nähe indes lächeln einander nicht friedlich zu, sie scheinen eher fragend dreinzublicken ob des Wahns der Zerstörungswut, mit dem sich die Gattung Mensch da gerade an den Rand der Apokalypse katapultiert.
«Morgenstjernen» (so der norwegische Originaltitel des Romans) wird an diesem Abend in schwedischer Sprache als «Morgonstjärnan» (für das internationale Publikum alternativ unter dem Titel «The Morning Star») in Form einer Oper aus der Taufe gehoben. Der Roman darf dabei als Steilvorlage gelten, um mit den Mitteln der musikalischen Magie seine geheimnisvolle Wirkung zu entfalten. Schließlich ist die Gattung Oper eine Expertin, wenn es darum geht, den Subtexten und Zwischentönen, dem Unterbewussten und Mystischen womöglich noch feiner nachzuspüren, als bloße Worte dies vermögen.
Verblüffend ist dabei, wie schnell diese Transformation vonstatten ging: Erst 2020 veröffentlichte Karl Ove Knausgård «Morgensjternen», in deutscher Übersetzung kam sein Buch sogar 2022 heraus. Librettistin Gunilla Hemming kondensierte dazu die in der Vorlage ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Peter Krause
Was kommt
Kunst der Tiefe
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Ein saftig grüner Kunstrasen erstreckt sich über die gesamte Bühne. Außer dieser opulenten, an einen Sportplatz erinnernden Spielfläche gibt es in R. B. Schlathers Inszenierung von Agostino Steffanis «Amor vien dal destino» keine weitere Kulisse, sieht man von einigen Feuerschalen ab, aus denen im dritten Akt domestizierte Flammen züngeln. Es gehört zweifellos Mut...
