Der Anfang vom Ende
Die Frage, was der Mensch sei (oder sein könne), ist von den Philosophen und Dichtern vieler Zeiten gestellt – und auch beantwortet worden. In den meisten Fällen fiel die Antwort eher ungünstig aus, am negativsten vielleicht bei Hölderlin, der, verkleidet als Hyperion, die Spezies fortlaufend dahinmodern sah, wie ein welkes Gewächs, welches sich selbst am Blühen zu hindern wusste. Noch drastischer fiel Gottfried Benns knappe Diagnose aus: «Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch.
» Beschaut man die Geschichte der Menschheit, gibt es wenig zureichende Gründe, an diesem Diktum zu zweifeln. Der Wurm war wohl doch von Anbeginn an drin.
Auch Otto Borngräber, ein heute vergessener Schriftsteller, fand in den Anfängen der Gattung höchstens den zarten Hauch einer Utopie. Nachzulesen ist es in jenem «erotischen Mysterium», das Rudi Stephan als Vorlage für seine Oper «Die ersten Menschen» diente und die biblischen Gestalten Adam und Eva sowie Kain und Abel in verklausulierter Form scheitern ließ, als Adahm und Chawa, Kajin und Schabel. Sie alle sind aus dem Paradies vertrieben worden und fristen nun ein elendes Dasein in einer Erdhöhle. Adahm sucht sein Heil in der Bewältigung des ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Jürgen Otten
Ich kann die Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt. Mehr! Mehr! Ich bitte dich.» Nur zu gerne möchte man sich der schwärmerischen Emphase des Höflings Jacques aus William Shakespeares Lustspiel «Wie es euch gefällt» anschließen, wenn man das erste Solo-Album des jungen englischen Countertenors Alexander Chance hört. Fast anzunehmen, dass...
Herr Scholl, frei nach Udo Jürgens: «Mit 55 Jahren …»
(lacht und singt) Mit 55 Jahren, da fängt das Leben an …
Fängt es womöglich für Sie als Bariton an?
Nun ja, der Bariton ist in meiner Kehle immer ein Fremdkörper gewesen. Ich habe im Kiedricher Knabenchor angefangen zu singen, dem zweitältesten Knabenchor Deutschlands, und meine Countertenorstimme ist die...
Man sah es an und rieb sich leicht verwundert die Augen. Auf den Plakaten des Festivals d’Aix-en-Provence, die den Besucher schon am Stadteingang auf das musiktheatralische Großereignis hinwiesen, fand sich ein Kunstwerk annonciert, das viele, zumindest unter diesem Titel, nicht kennen. «L’Opéra de quat’sous». Très chic, apart, wohlklingend. Und von Logik zumindest...
