Der Anfang vom Ende
Die Frage, was der Mensch sei (oder sein könne), ist von den Philosophen und Dichtern vieler Zeiten gestellt – und auch beantwortet worden. In den meisten Fällen fiel die Antwort eher ungünstig aus, am negativsten vielleicht bei Hölderlin, der, verkleidet als Hyperion, die Spezies fortlaufend dahinmodern sah, wie ein welkes Gewächs, welches sich selbst am Blühen zu hindern wusste. Noch drastischer fiel Gottfried Benns knappe Diagnose aus: «Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch.
» Beschaut man die Geschichte der Menschheit, gibt es wenig zureichende Gründe, an diesem Diktum zu zweifeln. Der Wurm war wohl doch von Anbeginn an drin.
Auch Otto Borngräber, ein heute vergessener Schriftsteller, fand in den Anfängen der Gattung höchstens den zarten Hauch einer Utopie. Nachzulesen ist es in jenem «erotischen Mysterium», das Rudi Stephan als Vorlage für seine Oper «Die ersten Menschen» diente und die biblischen Gestalten Adam und Eva sowie Kain und Abel in verklausulierter Form scheitern ließ, als Adahm und Chawa, Kajin und Schabel. Sie alle sind aus dem Paradies vertrieben worden und fristen nun ein elendes Dasein in einer Erdhöhle. Adahm sucht sein Heil in der Bewältigung des ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Jürgen Otten
Die französische Mezzosopranistin Eva Zaïcik, eine der schönsten jüngeren Stimmen der Barockmusik, hat ihre neueste CD «Mayrig» mit Liedern der armenischen Komponisten Komitas (1869–1935) und Garbis Aprikian (*1926) den «armenischen Müttern» gewidmet. Das faszinierende Programm, das uns in die ferne, fremde musikalische Welt des Kaukasus entführt, enthält auch...
Die Musik von Olivier Messiaen ist … wie ein Kirchenfenster. Voller freudvoller Farben, aber auch hermetisch unterteilt, vom Heiligen Geist durchsprüht und manchmal unfassbar statisch und formelhaft. Der gläubige Katholik, Orgelvirtuose, Komponist, Lehrer und Hobby-Ornithologe verstand sein Musiktheaterwerk «Saint François d’Assise» sicher als sein Opus magnum....
Über den Schluss von Wagners «Götterdämmerung» ist viel gerätselt worden. Der Komponist zog sich im orchestralen Nachspiel zurück auf ein Thema, das seit seinem ersten Auftreten im dritten Akt der «Walküre» nie mehr erklungen war. In der Regieanweisung ist von «Männern und Frauen» die Rede, die «in höchster Ergriffenheit» dem Brand Walhalls zuschauen – bislang...
