Fast vollkommen

Verdi: La traviata am Theater Osnabrück

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Verdis «La traviata» ist der Triumph einer Figur. Violetta Valéry ist die emotional schillerndste, vokal komplexeste Sopranpartie des Komponisten. Wie in keiner zweiten seiner Opern konzentriert sich das Interesse ausschließlich auf die Edelkurtisane. Wer sie erfolgreich verkörpern will, muss drei Stimmen in einer besitzen – nämlich gleichermaßen über stupende Koloraturen, melismatischen Gesang und dramatische Intensität verfügen.

Dass Sophia Theodorides, die jetzt in Osnabrück ihr Rollendebüt als Violetta gab, die Kunst der Fiorituren mit virtuosen Läufen, perfekten Trillern und eloquenten Verzierungen beherrscht, hatte sie Anfang 2022 schon als Donizettis Lucia di Lammermoor auf überwältigende Weise demonstriert. Dennoch war man überrascht, wie souverän die junge Sopranistin den Passionsweg von der Prostituierten zur Grande Amoureuse, vom Liebeszauber bis zum bitteren Tod vokal in allen Facetten erfüllte. Ist sie zu Beginn der Oper noch die vergnügungssüchtige, vom rechten Weg abgekommene Frau, erscheint sie an ihrem Ende geradezu als eine Heilige. Und das einzig und allein durch ihren Gesang – in einer Aufführung, die man als Regiearbeit gleich wieder vergisst.

Singen ist für ...

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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert

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