Fast vollkommen
Verdis «La traviata» ist der Triumph einer Figur. Violetta Valéry ist die emotional schillerndste, vokal komplexeste Sopranpartie des Komponisten. Wie in keiner zweiten seiner Opern konzentriert sich das Interesse ausschließlich auf die Edelkurtisane. Wer sie erfolgreich verkörpern will, muss drei Stimmen in einer besitzen – nämlich gleichermaßen über stupende Koloraturen, melismatischen Gesang und dramatische Intensität verfügen.
Dass Sophia Theodorides, die jetzt in Osnabrück ihr Rollendebüt als Violetta gab, die Kunst der Fiorituren mit virtuosen Läufen, perfekten Trillern und eloquenten Verzierungen beherrscht, hatte sie Anfang 2022 schon als Donizettis Lucia di Lammermoor auf überwältigende Weise demonstriert. Dennoch war man überrascht, wie souverän die junge Sopranistin den Passionsweg von der Prostituierten zur Grande Amoureuse, vom Liebeszauber bis zum bitteren Tod vokal in allen Facetten erfüllte. Ist sie zu Beginn der Oper noch die vergnügungssüchtige, vom rechten Weg abgekommene Frau, erscheint sie an ihrem Ende geradezu als eine Heilige. Und das einzig und allein durch ihren Gesang – in einer Aufführung, die man als Regiearbeit gleich wieder vergisst.
Singen ist für ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert
Italo Montemezzi wurde vom Klima der Verismo-Oper geprägt und blieb ihr stets verbunden, auch wenn er seinen kulturellen Horizont erweiterte. Bei der Orchestrierung orientierte er sich hauptsächlich an den Lehren Wagners, in geringerem Maße an denen Debussys. Von seinen sieben Bühnenwerken wird nur «L’amore dei tre re» (Die Liebe zu den drei Königen) von Zeit zu...
Mit diesem Album schließt Reinoud Van Mechelen seinen faszinierenden Überblick über die Entwicklung der haute-contre-Stimme in der französischen Barockoper ab. Die erste Folge galt 2018 Louis Gaulard Dumesny, dem vom Koch zum Star der Pariser Opéra aufgestiegenen Protagonisten Lullys am Ende des 17. Jahrhunderts. Die zweite Folge war 2020 Pierre de Jéliote...
Aber darum geht es mir eben nicht, liebe Ellice!» – Mitten im Gespräch beginnt sie, die neue Oper des Komponisten Manfred Trojahn für die Deutsche Oper am Rhein. Mit einer Widerrede. Gegen eine eigene Aussage oder gegen ihre? Das bleibt links des Notenschlüssels verborgen, doch die Ich-Perspektive des Protagonisten Osbert Brydon ist gesetzt, erst in Takt 28 rückt...
