Bewusstseinsströme
ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption gefragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
Aber darum geht es mir eben nicht, liebe Ellice!» – Mitten im Gespräch beginnt sie, die neue Oper des Komponisten Manfred Trojahn für die Deutsche Oper am Rhein. Mit einer Widerrede. Gegen eine eigene Aussage oder gegen ihre? Das bleibt links des Notenschlüssels verborgen, doch die Ich-Perspektive des Protagonisten Osbert Brydon ist gesetzt, erst in Takt 28 rückt sie wieder ins Bild.
Erst vor kurzem sind Ellice und Osbert einander wiederbegegnet.
Mehr als drei Jahrzehnte sind vergangen, in denen sie Schauspielerin wurde und in New York blieb und er nach Übersee ging und Autor wurde. Jahrzehnte, nachdem sie eine innig verbundene Kindheit und Jugend verbracht hatten, ohne jemals ein Paar zu werden. Der einstige Oberschichtenspross aus einer Kaufmannsfamilie mit diktierter Zukunft floh und ist zurückgekommen, um sein düster verwaistes Elternhaus zu verkaufen. Doch die alten Räume und Jugendträume stoßen verborgene Türen auf: Wer wäre er geworden, wenn er geblieben wäre? Und: Hätte sie diesen Gebliebenen geliebt? Aus einem Gedankenspiel entwickelt sich ein unheimlicher Showdown: In den dunklen Hallen seiner Kindheit begegnet Osbert Brydon dem, der er nach dem Willen seiner Familie ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von
Eigentlich ist die Causa sternenklar. Franz Schubert komponierte seine mehr als 600 Lieder für Stimme und Klavier. Dennoch fühlten und fühlen sich zahlreiche Komponisten und Arrangeure nach seinem Dahinscheiden dazu berufen, die Originalwerke zu orchestrieren – die Liste reicht von Johannes Brahms und Jacques Offenbach über Max Reger, Benjamin Britten und Anton...
Seine letzte Oper sollte eine lustige sein – so der ausdrückliche Wunsch des belgischen Komponisten Philippe Boesmans, den er Freunden im Februar 2022, rund zwei Monate vor seinem Tod, mitteilte. Nach all jenen Tragödien, die er bis dahin geschrieben habe, vor allem nach «Julie» auf Strindberg, wolle er mit totaler Leichtigkeit (légèreté) und Nachlässigkeit (insouc...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
Hier finden Sie alle Termine (Premieren sowie Repertoirevorstellungen) der Opernhäuser in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Von allen anderen Häusern weltweit bilden wir die Daten zu den Premieren ab.
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