Fassadenkunst

Strauß: Die Fledermaus an der Bayerischen Staatsoper München

Opernwelt - Logo

Wahrscheinlich kann man in keiner Münchner Edelboutique das mintgrüne Ungetüm von Kleid nebst turmhohem Federbusch erstehen, das Andrew Watts als Prinz Orlofsky im zweiten Akt trägt. Erst recht nicht die gelb-rosa-silbernen Blumenhauben, Dekolletés, Zylinder, Perlenschnüre und falschen Bärte, die Klaus Bruns dem Chor der Bayerischen Staatsoper verpasst hat. Barrie Kosky, Grandseigneur der Berliner Operette, ist mitsamt seinem Team in München eingefallen, um die größte aller Wiener, nein, die Operette aller Operetten zu inszenieren: Johann Straußens «Fledermaus».

Dass München etwas näher an Wien liegt als an Berlin – und damit etwas näher am 19. als an einem multidiversen 21. Jahrhundert –, weiß auch Kosky. Weshalb zur Ouvertüre erstmal schmucke Häuserfassaden rund um das bis heute existierende «Kaffee Alt Wien» Fahrt aufnehmen und zwischen tanzenden Fledermäusen rotieren – ein, wie sich herausstellt, Alptraum Eisensteins, aus dem er in einem ersten Akt erwacht, dessen Kostüme und Mobiliar im Wesentlichen aus Otto Schenks Inszenierung am gleichen Ort übriggeblieben sein könnten, die unter dem Dirigat Carlos Kleibers im bajuwarischen Gedächtnis fast mythischen Status hat.

Kosky ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Ein laues Düftchen

Schräg hinterhalb des Musentempels, in der Via Brera, gibt es das i-Tüpfelchen für den Abend zu kaufen. Wer will, kann sich zur Serata Inaugurale mit dem ultimativen Divenduft einstäuben, «The Merchant of Venice», ein versteckter Laden, bietet «Maria Callas – Eau de Parfum» an. Ansonsten feiert Mailand den 100. Geburtstag der Unerreichbaren mit zwei Ausstellungen...

Keine Götter, nirgends

Herr Pascal, wann und warum wurde das Ensemble «Le Balcon» gegründet?
Es war exakt der 17. November 2008. Das heißt, mit unserer Aufführung des ersten Teils von Stockhausens «Sonntag aus Licht» in der Cité de la musique haben wir kürzlich unser 15-jähriges Jubiläum gefeiert. Das erste Konzert von «Le Balcon» fand nur wenige Meter von hier statt, im Conservatoire de...

Der Blick zurück

Puccinis «Tosca» firmiert in der italienischen Kapitale unter dem Rubrum «Lokaloper». Ein Wunder ist dies nicht, Handlungsorte und auch das Haus, in dem das Werk aus der Taufe gehoben wurde (das Teatro Costanzi), befinden sich allesamt in Roms Altstadt. Adolf Hohensteins Bühnenbilder und Kostüme für die Uraufführung anno 1900 leben in den zahlreichen...