Gelächter am Abgrund
Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg) sieht man unterdessen, wie sich eine achtköpfige Menschenschar in einer Art Vorraum tummelt, aufgeregt tuschelnd und garstig gackernd wie ein Hühnerhaufen, nur weitaus eleganter gekleidet.
Vanessa Rust hat die vier Schauspielerinnen und vier Schauspieler sämtlich in schmucke Brautgewänder gesteckt und ihnen die Haare so hoch und so schrägschrill toupiert, dass man sich auf einer Hochzeitsparty voller Verrückter wähnt. Aber das stellte sich schon bald als gewaltiger Irrtum heraus.
Kein Wunder, das Stück, das im Deutschen Theater Berlin zu sehen und zu hören ist, heißt «Ursonate» und wurde von seinem Schöpfer in einem neunjährigen Ringen mit Lauten und Lautmalereien, Formen und Formlosigkeiten sowie mit Sinn und Nicht-Sinn zwischen 1923 und 1932 zu Papier gebracht, gleichsam als poetisch-politische Reflexion auf jene prekäre ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 22
von Jürgen Otten
Die Hölle, das sind für den lärmempfindlichen Admiral Sir Morosus die Anderen. Der geliebte Neffe hat die Juristerei an den Nagel gehängt und sich eine Operntruppe nebst singender Gattin Aminta angelacht. Woraufhin der empörte Onkel ihn enterbt und seinen Lebensabend mit einer schweigsamen Frau verbringen will. Als brachiale Rosskur für den Alten wird eine tönende...
Herr Gerhaher, der Bühnenverein hat vor einiger Zeit mitgeteilt, dass Theater und Konzertsäle über 80 Prozent Auslastung melden, manche Häuser sprechen sogar von weit über 90 Prozent. Ist die Krise ist überwunden?
So etwas hört man. Die Frage ist nur, wie belastbar diese Zahlen sind. Es könnte ja auch bedeuten, dass viele kommen – aber manche nicht zahlen müssen....
Schräg hinterhalb des Musentempels, in der Via Brera, gibt es das i-Tüpfelchen für den Abend zu kaufen. Wer will, kann sich zur Serata Inaugurale mit dem ultimativen Divenduft einstäuben, «The Merchant of Venice», ein versteckter Laden, bietet «Maria Callas – Eau de Parfum» an. Ansonsten feiert Mailand den 100. Geburtstag der Unerreichbaren mit zwei Ausstellungen...
