Farbenfroh, aber funkenlos
Zugegeben: Unterhaltungswert hat dieser forcierte Frohsinn schon auch. Die Römer als muntere queere Gesellschaft, die sich in Science-Fiction-Trash in Rosa, Rot und Orange suhlt und das Ballett als glamouröses LGBTQIA+-Musical aufführt; die Christen als bodypositive FKK-Sekte von Mutanten ohne Geschlechtsteile, denen dafür zusätzliche Gliedmaßen vom Rücken baumeln. Was dieses Setting jedoch jenseits der schrägen Show aussagen soll, bleibt nebulös.
Klischeehafte Kritik an schwuler Dekadenz und entsexualisiertem Christentum? Beim Jupiter, im Ernst? Auch die Kombination mit dem armenischen Genozid wirkt geradezu an Weltraummonstertentakeln herbeigezogen. Drei Zeitebenen vermischen sich nämlich in dieser an sich löblichen Produktion von Gaetano Donizettis «Les Martyrs»: Das Libretto dieser Grand Opéra spielt im Jahr 259, als der Heilige Polyeuktos von Melitene in der römischen Provinz Armenien seines Glaubens wegen enthauptet wurde. Regisseur Cezary Tomaszewski und Ausstatterin Alexandra Wasilkowska verquicken das jedoch mit dem Jahr 3389, einer fernen Zukunft also, in der, so ihre These, die Menschheit endlich via Belcanto kommuniziert, und zugleich mit 1915, der Zeit des Völkermordes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Walter Weidringer
Als Volkstheater war das heutige Staatstheater am Gärtnerplatz konzipiert, als es 1865 in München eröffnet wurde. Seitdem hat es wechselhafte Geschicke durchlaufen, aber als Faustregel galt immer: Dem Haus ging es umso besser, je stärker es sich schon im Repertoire von der größeren, finanziell bessergestellten Bayerischen Staatsoper in derselben Stadt absetzte. Je...
Frau Byström, es gibt im Schwedischen ein Wort, dass die Fähigkeit zum lösungsorientierten Kompromiss zu beschreiben scheint – «lagom». Da es keine Entsprechung im Deutschen gibt, sind Sie so lieb und erläutern den Begriff?
(lacht) Ach, das ist viel einfacher, als Sie denken. «Lagom», das bedeutet eigentlich nur «nicht zu viel, nicht zu wenig» oder «in der Mitte»....
Fangen wir, aus gegebenem Anlass, mit der Musik an. Zweiter Akt, Finale. Das Dunkel scheint sich zu lichten, wo vorher sehr viel f-Moll war, dominiert nun pastoral-pfiffiges F-Dur. Ein Tanz im Viervierteltakt, übermütig, zugleich hintergründig – Giuseppe Verdi wusste sehr wohl, wie man Klänge subversiv einwirken lässt. Und so ist es auch in diesem Allegro brillante...
