Experimentelle Wertarbeit
Nirgendwo in Deutschland ist die Infrastruktur für zeitgenössisches Musiktheater so dicht wie in Nordrhein-Westfalen. Neben den zahlreichen Theatern im Land sorgen gleich zwei öffentliche Fonds für Rückenwind (siehe Interview). Und was auf dem Papier vielleicht ein wenig nach bürokratischer Gremienwirtschaft aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als hocheffektive, von persönlichem Engagement getragene Förderung.
Ausdrücklich erwünscht ist dabei das Zusammenwirken Freier Gruppen mit dem etablierten Theaterbetrieb: Das die Theaterkonventionen in Frage stellende, wenn nicht gar sprengende Experiment soll in einen – möglichst fruchtbaren – Austausch mit der Infrastruktur etabliert professioneller Theaterbetriebe treten. Wie breit das von den beiden Fonds abgedeckte Spektrum musiktheatralischer Produktion ist, zeigten die beiden jüngsten Premieren, zeitgleich in Bonn und Düsseldorf präsentiert.
Der «Fonds Experimentelles Musiktheater» brachte die neue Produktion des 2005 gegründeten Performance-Kollektivs «Monster Truck» mit dem Münchner Komponisten Bülent Kullukcu heraus. Unter dem Titel «Everything is flux» war es für die neue Spielstätte des Düsseldorfer Schauspielhauses im ...
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«Lohengrin» hat gegenwärtig Konjunktur (siehe OW 5/2009). Zwischen den beiden Extremen, Stefan Herheims überbordender und das Stück wohl auch überfordernder Assoziationsfülle in Berlin und Stanislas Nordeys visionärer Askese (oder was davon in Stuttgart übrig blieb), hat sich Jens-Daniel Herzog in Frankfurt für den Mittelweg, die realistische, die psychologische...
Joseph Haydn schien mit seinen Lebens- und Schaffensumständen nach außen hin stets d’accord; ein «Homo politicus» war er wohl nie. Hanns Eisler umso mehr; im Gespräch mit Hans Bunge tadelte er denn auch das «zurückgebliebene gesellschaftliche Verhalten» mancher Musiktitanen. «Selbst bei dem größten Musiker der Menschheitsgeschichte, bei Mozart, ist noch das Klirren...
Als sich Benjamin Britten Ende der 1960er Jahre mit der Vertonung von Thomas Manns «Tod in Venedig» zu beschäftigen begann, stellte er sich einer Herausforderung, die er sein ganzes Leben über gescheut hatte. «Ich bin so mutig, das Beste zu machen, was ich jemals geschaffen habe», äußerte sich der zu diesem Zeitpunkt schon schwerkranke Komponist – ein Mut, der sich...
