Derb und subtil
Vor Kurzem bewegte sich Dirk Bach noch zwischen Kakerlaken und Känguruhoden. Dass der Kölner Comedian mit der barocken Figur und dem Hang zum trashigen Humor viel mehr kann, als das RTL-Dschungelcamp mit allerlei Hüten und Zoten zu dekorieren, zeigte das langjährige Ensemblemitglied des Kölner Schaupielhauses am Berner Stadttheater in Brittens «A Midsummer Night’s Dream». Ganz allein steht er zu Beginn als Straßenkehrer auf der Bühne, ehe sich der Platz allmählich mit verschiedenen Paaren füllt.
Regisseur Anthony Pilavachi hat diesem Sommernachtstraum einen pantomimischen Prolog vorgeschaltet, der den von Britten gestrichenen ersten Akt der Shakespeare-Komödie andeutet. Die Fetzen fliegen, der Brautstrauß landet im Mülleimer. Dirk Bach riecht an einer Blüte – dann erst setzt die Musik ein mit ihren zarten Streicher-Glissandi, die in der sensiblen, klangschönen Interpretation des Berner Symphonieorchesters unter der Leitung von Dorian Keilhack ihn den Boden unter den Füßen verlieren lassen. Unter den Händen von den als Schulkinder gekleideten Elfen (charmant und intonationsrein der Kinderchor der Musikschule Köniz) verwandelt sich der Müllmann zu Puck – mit Clownsmund und großen ...
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Schon zum dritten Mal in dieser Spielzeit trumpft das Bremerhavener Stadttheater mit einer Rarität auf: Nach Donizettis «Maria Stuarda» und Massenets «Don Quichotte» präsentiert Intendant Peter Grisebach jetzt Aribert Reimanns «Melusine», von K. H. Ruppel seinerzeit als «eine der interessantesten und sublimsten modernen Opern» (OW 9/1973) bezeichnet, zum ersten Mal...
Joseph Haydn schien mit seinen Lebens- und Schaffensumständen nach außen hin stets d’accord; ein «Homo politicus» war er wohl nie. Hanns Eisler umso mehr; im Gespräch mit Hans Bunge tadelte er denn auch das «zurückgebliebene gesellschaftliche Verhalten» mancher Musiktitanen. «Selbst bei dem größten Musiker der Menschheitsgeschichte, bei Mozart, ist noch das Klirren...
Ein Trompe l’oreille ist diese Musik, nur scheinbar glanzvoll die Regenbogenbrücke am Schluss des «Rheingold». «Falsch und feig ist, was dort oben sich freut», klagen denn auch die Rheintöchter. Und selbst das Heldenmotiv (in Wien am Premierenabend im Übereifer ein wenig verzerrt) strahlt nur vermeintlich. Wotans «großer Gedanke» – eine Schimäre. An dieser Stelle...
