Existenzielles Hören
Vielleicht hört den inneren Klang der Sprache und das Sprechen des Klangs besonders klar, wer alle Gewissheiten verloren hat. Wer sich der Leere einer selbstgewählten Aphasie aussetzt, Halt im Flugsand sucht. Wer das Nichts, die Stille als Resonanzraum wiederentdeckt. Und so Laute, Silben, Wörter, Geräusche, Töne, Melodien, Harmonien: die Grundstoffe jeder Sprachmusik und jeder Musiksprache wie Naturkräfte wahrnimmt, Lichtzeichen am dunklen Himmel.
Das Musiktheater Beat Furrers hat keinen festen Ort, keine festen Formen, keine lineare Handlung.
Es sind Stücke auf der Suche, aus Bruchstücken gefügte Fragen, immer im Fluss. Meditationen über Herkunft, Gegenwart und Zukunft, denen der Zweifel, die Verunsicherung eines unbehausten, forschenden Ichs eingeschrieben ist, das sich immer wieder neu erfinden muss. An der Grenze von Werden und Vergehen, Leben und Tod. Inspiriert durch Texte, die von der Antike bis ins Heute führen. Sechs «Opern» hat Furrer bislang geschrieben (darunter «Fama» und «Begehren»), eine siebte («La bianca notte») wird im Mai an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt. Fünf Jahre nach dem «Wüstenbuch», das dank des Labels Kairos inzwischen als Mitschnitt einer ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann
Liebhabern und Kennern der Barockoper ist der Name Agostino Steffani schon seit Langem vertraut, einer breiteren Öffentlichkeit dürfte der Komponist aber erst durch Cecilia Bartolis Projekt «Mission» im Jahr 2012 bekannt geworden sein (siehe OW 11/2012). Die gleichnamige CD bietet unter anderem drei Ausschnitte aus dem Dramma per musica «Niobe, regina di Tebe»,...
Vrenchen und Sali könnten glücklich sein. Wenn sie nicht das Pech hätten, aus zwei verfeindeten Bauernfamilien zu stammen. Und sie die gehässige Gesellschaft nicht in den Tod triebe. So funktioniert die gängige Lesart von Gottfried Kellers berühmter Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Frederick Delius hat in seiner gelegentlich wieder aufgeführten Oper die...
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin. In der Lübecker Aufführung von Hector Berlioz’ «La Damnation de Faust» darf Marguerite nicht als unschuldige Seele dem Ruf der himmlischen Geister folgen. Sie ist vielmehr ein gefallener Engel, der sich in einen Vamp verwandelt und den Verderber umarmt, lasziv küsst: Méphistophélès. Marguerite hat viel...
