Klamme Gefühle
Sie sind schon da, als die Pauke und drei Dissonanzen den Reigen folgenschwerer Missverständnisse eröffnen. Rogoschin, der Dandy. Nastassja, die Umschwärmte. Lebedjew, der Strippenzieher. Und die anderen traurigen Gestalten, die in einem schäbigen Salon fröstelnd darauf warten, dass endlich was passiert. Dass jemand eintritt und die Starre löst, die auf den ausgebleichten Tapeten und in den leeren Herzen liegt. Noch wissen wir nicht, wer da die Zeit totschlägt. So wenig wie der Fremde, der schließlich an die Türe klopft.
Kein nobler Herr, ein mausgrauer Jedermann ist Fürst Myschkin für die Regisseurin Andrea Schwalbach. Ein Biedermann mit Bauchansatz unter dem Pullunder, der eher unfreiwillig zum Flaneur in diesem Biotop verdeckt brodelnder Gefühle wird. Auf mehr als 900 Seiten hat Dostojewski in seinem 1868/69 veröffentlichten Roman «Der Idiot» die Stimmung der russischen Gesellschaft seiner Zeit seziert. Der polnisch-russische Komponist Mieczyslaw Weinberg, jener «stille Revolutionär» aus Warschau, der in der Sowjetunion Zuflucht vor den Nazis fand, von Stalin bedrängt, von Schostakowitsch gefördert, sollte die «dunkle Glut» des Stoffes in seinem letzten, 1986/87 entstandenen ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Albrecht Thiemann
Gewünscht hat sich Richard Strauss für die Uraufführung seiner «Vier letzten Lieder» die Sopranistin Kirsten Flagstad. Er wird an deren Glanzzeit gedacht haben. Als die Lieder in London uraufgeführt wurden, war Strauss tot und die Flagstad längst über ihrem Zenit. In Berlin musste sie, wenig später, sogar das erste, höchste weglassen. Plattenaufnahmen von Elisabeth...
Rossinis Tenorpartien galten lange Zeit als beinahe unsingbar: sehr hoch und überaus virtuos, mit einer an Verdi oder Puccini geschulten Stimme kaum oder gar nicht zu realisieren und auch für typische Mozartsänger weitgehend unzugänglich. Zu den spannenden Entwicklungen im Operngesang der letzten Jahrzehnte gehören die vielen ambitionierten Versuche von Tenören wie...
Für den Broadway hat er noch nicht geschrieben. Und es deutet derzeit nichts darauf hin, dass Peter Eötvös mit dem Gedanken spielt, mal einem Frederick Loewe, Richard Rogers, Irving Berlin oder sagen wir: einem Kurt Weill respektive Leonard Bernstein nachzueifern. Aber das musikästhetische Denken des ungarischen Komponisten kennt keine Tabus, weder bei den Genres...
