Vorbei, nicht vergessen
Regisseur Florian Lutz hat’s gern drastisch. Er hat’s auch gern eindeutig. In seiner Lübecker «Tannhäuser»-Inszenierung versammelte er die gesamte deutsche Politprominenz auf der Bühne, angefangen von Joachim Gauck als Landgraf Hermann und Angela Merkel als Elisabeth.
Jetzt, in Manfred Gurlitts arg bemüht aktualisierten «Soldaten», zieht Deutschlands Oberste Befehlshaberin Ursula von der Leyen alias Gräfin de la Roche, flankiert von einer Kinderschar, ihre PR-Show im Bundeswehrcamp Masar-i-Scharif vorm geschmückten Weihnachtsbaum ab, begrüßt Flüchtlinge, dekoriert Soldaten, und wir sind, dank Live-Cam, gleich doppelt dabei. Das ist theatralisch brillant durchexerziert wie fast alles in dieser Aufführung, in der per Video unentwegt Kriegsszenen über die hohen Wände von Sebastian Hannaks Drehbühne flimmern. Es stellt den engagiert agierenden Solisten und Statisten ein blendendes Zeugnis aus. Aber es hat mit der hier verhandelten Sache, der huldvoll herablassenden Zurechtweisung der ihren Stand vergessenden Bürgerstochter Marie durch die adelsstolze Gräfin, kaum etwas zu tun.
Diese Überpointierung ist bezeichnend für die Detailversessenheit einer Regie, die sich mehr mit dem ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert
Vor sechs Jahren sang Philippe Jaroussky auf dem Album «Opium» erstmals französische Lieder der Belle Époque (siehe OW 5/2009). Im Sinne einer Mentalitätsgeschichte der Klänge ließe sich auch rechtfertigen, dass ein Countertenor dieses Repertoire pflegt, gerade jetzt, da Jaroussky zwei neue CDs mit Liedern nach Paul Verlaine aufgenommen hat. Als 1869 durch die...
Die Liebe? Sie steckt in einem Blick. Orpheus und Eurydike halten einander mit den Augen fest, während andere Wesen sie umkreisen, umtanzen. Schauen einander an, während sie immer näher zusammenrücken.
Verlust? Da ist das unsichtbare Band aus Schmerz, das gespannt wird, wenn sie am Boden verharren muss und er nach oben entschwindet. In einem Akrobatengeschirr hoch...
«Seit ich ihn gesehen ...»: Ein Frauenleben in neues Licht, neue Farben getaucht. Schwärmerische Gefühle einer demütig dem Manne hingegebenen Frau, beschrieben aus der Perspektive eines Mannes – des Dichters Adelbert von Chamisso. Seine Verse sind, wie man in Zeiten von Neofeminismus und Gender-Debatten sagen würde, politically incorrect; widerspruchsfrei ist das...
